Beispielhaft sind die Äußerungen von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der Anfang dieser Woche bekannte, er glaube in der Finanzkrise jetzt nicht mehr allein an die Selbstheilungskräfte der Märkte - nachdem er mit Verweis auf eben diese Kräfte über Jahre staatliche Eingriffe in seine Branche abgelehnt hatte. Die Prognose ist nicht sehr gewagt, dass sich hier eine fundamentale Veränderung der politischen Großwetterlage ankündigt: Selbst wenn der Kredit zwischen den Banken irgendwann wieder üppig fließt - ihr Kredit bei der Öffentlichkeit ist auf null gefallen.
Der Preis für die Rettungsaktionen dieser Tage wird später in Form deutlich verschärfter Regulierungen und eines höheren Staatseinflusses zu zahlen sein.
Gravierende Mängel werden offenbar
Nüchtern betrachtet, ist das auch für die Branche selbst eine Chance: Die Finanzkrise hat gravierende Mängel im bisherigen System aufgedeckt. Insbesondere hat sich gezeigt, welch perverse Folgen die erfolgsorientierten Entlohnungssysteme hatten: Angestellte Manager strichen atemberaubende Boni ein, indem sie auf Geschäfte mit versteckten Extremrisiken setzten. Jetzt, da der GAU droht, scheiden sie zum Teil mit prallen Kontoständen aus, während andere den Schaden haben. Erste Leidtragende sind - noch weit vor den Steuerzahlern - die Aktionäre der ramponierten Banken, die ihr Kapital verlieren. Es ist das ureigenste Interesse dieser Investoren, die Entlohnung ihrer Spitzenbanker so zu ändern, dass nur noch langfristiger Erfolg honoriert wird.
Die Stunde der Revanche an den Bankern kann allerdings auch zu enorm teuren Fehlentscheidungen führen. Die wenigsten Ankläger, die jetzt irgendwie mehr Regulierung fordern, haben genaue Vorstellungen, was sie eigentlich tun wollen. Und die These, dass Banken besser in Staatsbesitz gehören, ist nach den jüngsten Erfahrungen mit den Landesbanken abstruser denn je.
Immer öfter wird dieser Tage auf die Weltwirtschaftskrise der Jahre nach 1929 verwiesen. Rein ökonomisch tragen solche Parallelen kaum. Politökonomisch lässt sich daraus aber viel lernen. Der große Crash gab den Anstoß zu einigen wichtigen Reformen, von denen die US-Wirtschaft noch heute profitiert. Es waren aber auch grobe Fehler der Wirtschaftspolitik, die die Krise unnötig so verschärften, dass sie schließlich sogar in eine Weltkatastrophe mündete: verfehlte Geldpolitik, aggressiver Protektionismus und Interventionismus.
Auch das gegenwärtige Krisenfeuer ist viel zu gefährlich, um darauf demagogische Süppchen zu kochen.