In den vergangenen Wochen haben die Porsche-Eigner im Kampf um die Macht bei Volkswagen vor allem gegeneinander gearbeitet. Jetzt sieht es so aus, als hätten sich die Familien Porsche und Piëch zusammengerauft und dem Management des Sportwagenbauers freie Hand für den Durchmarsch bei VW gegeben. Nichts anderes bedeutet Porsches Ankündigung, seinen Anteil 2009 auf 75 Prozent aufzustocken und einen Beherrschungsvertrag anzustreben.
Aus Sicht der Stuttgarter ist dieser Schritt logisch und konsequent. Seit Langem bereitet Porsche-Chef
Wendelin Wiedeking die komplette Machtübernahme in Wolfsburg vor, und er lässt sich dabei auch nicht von der Rebellion des VW-Betriebsrats gegen die neuen Herren beeindrucken. Für die Gewerkschaften ist es daher ein schwerer Schlag, dass sie nun ihr wichtigster Verbündeter fallen lässt: Der mächtige VW-Aufsichtsratschef und Porsche-Miteigner Ferdinand Piëch hatte sich bislang dem vollen Durchgriff von Porsche auf VW widersetzt, um seinen eigenen Einfluss in Wolfsburg zu zementieren.
Mit Piëchs Kehrtwende und der absehbaren Aufstockung der Anteile hat Porsche den Machtkampf gegen den VW-Betriebsrat endgültig gewonnen. Gleichwohl ist Wiedeking noch lange nicht am Ziel. Auf ihn wartet jetzt ein Gegner, der viel stärker ist als die Gewerkschaften: die Politik.
Nur wenn das VW-Gesetz fällt, das dem Land Niedersachsen ein Veto bei wesentlichen Entscheidungen sichert, kann Porsche bei VW seine Macht ausspielen, wie es einem Mehrheitseigentümer zusteht. Zwar will die Bundesregierung an der Sonderregel festhalten, obwohl sie der Europäische Gerichtshof längst verworfen hat. Auf Dauer lässt sich die Bastion Wolfsburg aber kaum halten: Auch hier darf kein Gesetz gelten, das dem Europarecht widerspricht.