Es ist keine Frage, dass die russische Wirtschaft derzeit große Schwierigkeiten hat. Die Einnahmen aus dem Rohstoffexport brechen ein, die Imperien der Oligarchen schmelzen dahin, und in den Provinzen geraten die Existenzen der kleinen, Putin-loyalen Mittelschicht in Gefahr.
Die Abwertung des Rubel aber, die der Zentralbank derzeit solche Sorgen macht, könnte dem Land sogar nutzen. Sie verteuert Importe und macht die inländischen Unternehmen auf dem Heimatmarkt wettbewerbsfähiger. Was für deutsche Exporteure ein Alarmsignal ist, ist für russische Hersteller ein Hoffnungsschimmer. Ein ähnlicher Effekt hatte nach der Rubel-Krise von 1998 dazu beigetragen, dass Russland wieder auf die Beine kam.
Anders als damals versucht die Führung diesmal, den Schock einer dramatischen Abwertung über Nacht zu vermeiden. Das ist ein vernünftiger Ansatz, zumal die dafür nötigen Devisenreserven nach dem Petrodollarsegen der vergangenen Jahre zur Verfügung stehen. Da der Rubel in unsicheren Zeiten wie diesen ohnehin unter Druck bleibt, ist es das Beste, allmählich die Luft herauszunehmen.
Nach mehreren kleinen Schritten setzte die Zentralbank auf ein etwas breiteres Band zum Währungskorb aus Dollar und Euro - und auch diese Schwelle gerät nun unter Druck. Doch selbst wenn die Marke erneut revidiert werden müsste, ist es richtig, auf eine kontrollierte Abwertung zu setzen. Die Alternativen - massive Zinserhöhungen oder eine abrupte Freigabe des Wechselkurses - wären ungleich problematischer.
Ein schwächerer Rubel sollte die Regierung allerdings auch von ihrem fatalen Hang zum Protektionismus abbringen. Die höheren Importzölle auf Gebrauchtwagen haben nur dazu geführt, dass die Regierung Teile der Bevölkerung gegen sich aufbrachte. Zur Stärke der russischen Wirtschaft wird eine solche Strategie der Abschottung nichts beitragen. Ein fallender Rubel-Kurs wird viel wirksamer dafür sorgen, den Verkauf von in Russland produzierten Autos anzukurbeln.