Das ist mal konsequent: Die Schaeffler Gruppe ist mit einem Kaufangebot für Continental in den Markt geplatzt, noch während dessen Aufsichtsrat über die bedrohliche Lage diskutierte. Schon in den Tagen zuvor hatte sich das fränkische Familienunternehmen über Optionen den Zugriff auf ein Aktienpaket von mehr als 30 Prozent an dem Dax-Konzern gesichert. Feindlicher geht es nicht.
Doch freundlicher geht es in diesem Fall vermutlich auch nicht. Wer ein börsennotiertes Unternehmen kaufen will und gute Manieren hat, macht es normalerweise so: Er holt sich einen Termin beim Vorstand, legt ein Konzept samt Finanzierung vor und wirbt um Unterstützung. Wenn die nicht kommt, kann man sich mit seiner Offerte immer noch direkt an die Aktionäre wenden. Die Erfahrung aber zeigt: Wenn der umworbene Vorstand ein so viel größeres Unternehmen führt wie im Fall Continental, ist die Zustimmung ziemlich unwahrscheinlich. Schaeffler geht deswegen den Weg, der eher Erfolg versprechend ist.
Das ist zwar kein guter Stil, aber Teil des Risikos für ein börsennotiertes Unternehmen. Aktien sind für alle da. Auch verschärfte Regeln, wie sie das Risikobegrenzungsgesetz vorsieht, werden das nicht verhindern können.
Die Continental-Führung ist nicht völlig chancenlos. Sie kann ihre Aktionäre zu überzeugen versuchen, dass die 69,37 Euro je Aktie viel zu wenig sind und man als eigenständiges Unternehmen noch viel mehr Wert schaffen kann. Es könnte sein, dass die Schaeffler-Familie ihr Angebot dann noch einmal erhöhen muss. Übernimmt sie am Ende den Konzern nicht komplett, sondern wird lediglich Hauptaktionär, wird sie sich ändern müssen: Mit einer solchen Verschlossenheit, wie sie die Familie bislang an den Tag gelegt hat, lässt sich ein börsennotierter Konzern nicht führen.