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Merken   Drucken   11.04.2005, 19:17 Schriftgröße: AAA

Leitartikel: Schlagloch auf dem Weg zum Euro  

Hohe Erträge gibt es an den Kapitalmärkten nie ohne entsprechendes Risiko. Daran sollten sich auch die Finanzinvestoren gelegentlich erinnern, die in den vergangenen Jahren in den Staaten Mittel- und Osteuropas ein vermeintliches Eldorado gefunden haben.
Das "convergence play", die Spekulation auf einen Beitritt dieser Länder zum Euro, hat zwar bislang hervorragend funktioniert. Aber es ist eben immer noch eine Spekulation - die auch platzen kann.
Nicht nur einige Währungen der EU-Neumitglieder haben seit 2003 spürbar gegenüber dem ohnehin starken Euro zugelegt. Zugleich stiegen auch die Anleihekurse in Polen, Ungarn und Tschechien kräftig. Der Mechanismus ist der gleiche, der seit Mitte der 90er Jahre in Spanien, Italien oder Portugal zu beobachten war: Je näher der Beitritt dieser Länder zur Währungsunion rückte, desto stärker fielen die langfristigen Zinsen. Die Südländer importierten die Glaubwürdigkeit der Bundesbank - und so die niedrigen Finanzierungskosten. Heute importieren die EU-Neumitglieder die Glaubwürdigkeit des Euro - obwohl ihre Staats- und Leistungsbilanzdefizite viel höhere Risikoaufschläge rechtfertigen würden.
Dieser Konvergenzprozess kann allerdings auch unterbrochen werden - so wie es für Südeuropa 1992 in der Krise des Europäischen Währungssystems geschah. Ein französisches Nein zur EU-Verfassung, das sich für Ende Mai abzeichnet, würde erneut aufzeigen, wie gespalten die Euro-Zone selbst bei grundsätzlichen Fragen der Integration ist. Notwendige Reformen an den Euro-Institutionen, die etwa das Problem der zuletzt krass auseinander klaffenden Konjunkturzyklen zwischen den einzelnen Euro-Staaten lösen könnten, würden in weitere Ferne rücken.
Es ist durchaus möglich, dass sich unter solchen Bedingungen auch die Altmitglieder zunächst gegen eine Erweiterung der Währungsunion stemmen werden. Und ebenso gut möglich ist, dass die Marktteilnehmer versuchen, nach einem Nein aus Paris den anderen Anlegern zuvorzukommen, die ihr Kapital aus den EU-Neumitgliedern abziehen wollen. Auch 1992 entstand die Krise aus der Investorenangst, die Bundesbank könne angesichts der labilen Unterstützung für den Maastricht-Prozess die Partner in der EU fallen lassen.
All das heißt nicht, dass es zur Krise kommen muss. Die im Rückblick hervorragenden Renditen in Osteuropa waren aber eine Entschädigung für Risiken, die auf dem Weg der Osteuropäer in den Euro noch auftreten können. Genau solch ein Risiko ist jetzt das Referendum in Frankreich.
Weitere Leitartikel zu den Themen "Gazprom: Durchbruch beim Gas" und "Rohstoffe: Erst denken, dann lenken" in der FTD-Ausgabe vom 12.04.2005.
  • Aus der FTD vom 12.04.2005
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