Derzeit muss der künftige Staatschef der USA, von dem sich viele auch auf internationaler Ebene einen Wandel zum Besseren versprechen, auch noch mit ansehen, wie im Nahen Osten ein blutiger Konflikt seinen Lauf nimmt.
Gerade die israelischen Militärschläge gegen die Hamas zum jetzigen Zeitpunkt könnten sich für Obama aber noch als kleiner Vorteil erweisen. Solange er nicht im Amt ist, kann ihm auch keine Verantwortung für die Eskalation zugewiesen werden.
Obama hat daher auch wohlweislich darauf verzichtet, sich zu der neuen Gewalt im Nahen Osten zu äußern. Wenn aber die Kalkulation der Israelis aufgeht, dann ist der militärische Konflikt spätestens zum Antritt des neuen US-Präsidenten beendet. Obama könnte dann als frische Kraft antreten - mit einer geschwächten Hamas und bald auch mit einer neuen israelischen Regierung. Es gab schon schlechtere Voraussetzungen für eine neue Nahostinitiative.
Dieses Szenario ist voll von Konjunktiven - und doch spricht einiges dafür. Israel kann nicht an einem lang anhaltenden Krieg mit hohen Opferzahlen in den eigenen Reihen gelegen sein. Tote israelische Soldaten wären für die regierende Kadima-Partei bei der anstehenden Parlamentswahl eine große Belastung. Es ist absehbar, dass Jerusalem jede Bereitschaft der Hamas zu einer neuen Waffenruhe rasch aufgreifen dürfte.
Zugleich besteht auch bei Israels Nachbarn wenig Interesse daran, dass der gewaltsame Konflikt andauert oder sich gar ausweitet. Die radikale Hisbollah verfolgt vor allem das Ziel, ihre Macht im Libanon zu festigen. Syrien hat sich außenpolitisch zuletzt als äußerst wendig erwiesen und wird seine dadurch gewachsene Bedeutung mit Sicherheit nur ungern aufgeben. Und der mit der Hamas verfeindete Fatah-Chef Mahmud Abbas hat sich zu Beginn der Auseinandersetzung weit vorgewagt, indem er seinen Glaubensbrüdern im Gazastreifen die Schuld an der Eskalation gab.
Israels Ziel dürfte es sein, der Hamas eine schmerzhafte Lektion zu erteilen, möglicherweise eine Pufferzone zu schaffen und sich dann zurückzuziehen. An der grundsätzlichen Kräfteverteilung im Nahen Osten ändert die aktuelle Eskalation nichts.