Manchmal gehen aus Pflichtmitteilungen erstaunlich klare Botschaften hervor. Zum Beispiel aus jener, in der BP-Chef Tony Hayward den Einzug Gerhard Schröders in den Aufsichtsrat des britisch-russischen Ölkonzerns TNK-BP mit den Worten begrüßte, dieser Schritt sei "gut für alle Anteilseigner und für Russland".
Mit anderen Worten: Der frühere Bundeskanzler wird als "unabhängiges Aufsichtsratsmitglied" de facto die Interessen des russischen Staates vertreten. Für TNK-BP, das nach langem Streit zwischen der britischen und russischen Seite nun zur Ruhe kommen will, mag es ein Vorteil sein, nun den im Kreml bestens vernetzten Lobbyisten Schröder an Bord zu haben. Aus deutscher Sicht aber ist es atemberaubend, wie selbstverständlich der Ex-Kanzler mittlerweile als Teil des russischen Establishments auftritt.
Seit Schröder seinen Job beim Pipelinekonsortium Nord Stream aufgenommen hat, hat er sich zu einer Art Edel-Regierungssprecher Russlands entwickelt. Noch nachvollziehbar wäre es gewesen, hätte er lediglich das Projekt Ostseepipeline vorangetrieben. Aber Schröder mischte sich überall ein, beim estnischen Denkmalstreit, im Konflikt um die Raketenabwehr und im Georgienkrieg. Und meist waren seine Stellungnahmen fast wortgleich mit denen der russischen Führung.
Wer das nicht für problematisch hält, der versteht die Rolle eines einstigen Regierungschefs falsch. Schröder gilt in der breiten deutschen Öffentlichkeit immer noch als neutrale Stimme, die im Streit mit Russland vermitteln kann. Gerade in Energiekonflikten wie dem jetzigen zwischen Moskau und Kiew wird oft nach dem Altkanzler gerufen. Aber Schröder wird in Osteuropa und übrigens auch in Russland selbst schon lange nicht mehr als neutral wahrgenommen. Er vertritt russische Interessen, und die stimmen nur durch Zufall manchmal mit denen Deutschlands oder der EU überein.
Frühere Bundeskanzler und Ex-Minister werden oft mit dem Titel Elder Statesman versehen. Schröder dagegen ist der Kurier des Zaren.