Wenn es um das Handwerk geht, sind sie genauso strukturkonservativ wie Edmund Stoiber und Christian Wulff. Clement sollte sich davon nicht beirren lassen. Sein Vorhaben, den Meisterzwang für zwei Drittel der Handwerksberufe abzuschaffen und auch Altgesellen eine selbstständige Existenz zu ermöglichen, ist richtig.
Der Widerstand dagegen zeugt von wenig Bereitschaft, Notwendigkeiten zu akzeptieren. Betriebe, die nicht von qualifizierten Meistern geführt würden, seien wirtschaftlich instabiler und daher unerwünscht, behaupten Union und Handwerkslobby. Es drohe gar ein "Selbstständigen-Proletariat", das Deutschland im Falle der Reform zur Nation der Schuhputzer und Tellerwäscher degradiere, warnt das Handwerk. Wer angesichts von fast fünf Millionen Arbeitslosen und der niedrigsten Selbstständigenquote in Europa dieser Argumentation folgt, beweist Mut zur Arroganz.
Clement kann in Ruhe abwarten. Er hat einen sehr weitgehenden Entwurf vorgelegt, und die Kritik aus den SPD-Ländern bedeutet noch lange nicht, dass sie nun mit der Union gemeinsame Sache machen werden. Auch ein parteiübergreifender Kompromiss ist nach der Sommerpause möglich. Die SPD-Länder werden sich bis dahin mit Clement verständigen - die Union aber steht unter Zugzwang.
Weitere Leitartikel zu den Themen "Steuerreform: Quacksalber und Lobbyisten" und "Irak-Krieg: Heißer Sommer für Bush" in der FTD-Ausgabe vom 14.07.2003.