Als Beruhigungspille für die aufgebrachten Aktionäre diente eine überraschende Nachricht, mit der Unternehmensführung geschickt am Tag der Hauptversammlung aufwartete: Die US-Börsenaufsicht SEC ist bereit, schon bald mit dem Unternehmen über die Höhe der Strafzahlungen aus dem Korruptionsskandal zu verhandeln.
Für Siemens ist das ein wichtiger Fortschritt, um die rechtlichen und finanziellen Folgen der Affäre zu bewältigen. Zu Recht fürchten der neue Konzernchef Peter Löscher und sein Aufsichtsratsvorsitzender Gerhard Cromme, dass die mächtige SEC die jahrelange Praxis der schwarzen Kassen mit Milliardenstrafen sanktioniert. Auch der Ausschluss von Aufträgen der US-Regierung ist Teil des Strafenkatalogs, den die Börsenaufsicht für Fälle wie Siemens vorsieht.
Angesichts dieser drohenden Konsequenzen ist es für die Konzernspitze enorm wichtig, dass ihr die SEC eine gute Kooperation bei der Aufarbeitung des Skandals attestiert. Es kommt dem Unternehmen sehr entgegen, wenn die Behörde bereits im Februar mit den Gesprächen beginnen will. Je eher feststeht, wie stark Strafzahlungen in den USA Bilanz und Firmenimage belasten, desto eher lässt sich ein Schlussstrich unter die Affäre ziehen.
Eines jedoch kann auch die beste Beruhigungspille nicht verhindern: Die Verhandlungen mit der SEC werden monatelang dauern - und mit einer hohen Strafe enden.