Die Frage ist nur, ob wir dafür Ökonomen brauchen, zumal dann, wenn die immer wieder vorgetragenen Grundsatzphrasen viel zu wolkig und abgehoben sind, um daraus konkrete Vorschläge für die Praxis abzuleiten.
Just in dem Moment, in dem Deutschlands neue Regierung über den künftigen wirtschaftspolitischen Kurs verhandelt, verabschieden sich die Institutsökonomen aus einer ernst zu nehmenden Rolle. Ihr Gutachten strotzt vor altgewohnten Weisheiten und mangelnder Selbstkritik. Mit internationalen Analysestandards, wie sie Praktiker der großen Banken erfüllen, hält das Ergebnis kaum noch mit.
Richtig einig scheinen sich die Experten selber nicht zu sein. Da wird im Prognoseteil nüchtern diagnostiziert, dass verfügbare Einkommen und Konsum 2005 durch Kürzungen der Sozialtransfers gedämpft werden. Wenige Seiten später, bei den Politikempfehlungen, wird dann empfohlen, noch rabiater Ausgaben zu kürzen. Flugs ist es da nicht mehr die Entwicklung der Einkommen, die den Privatverbrauch bestimmt, sondern dass die Leute angeblich aus Angst vor Steuererhöhungen nicht mehr konsumieren - eine These, die sich empirisch nicht ansatzweise belegen lässt und von Nobelpreisträgern wie Robert Solow verspottet wird.
Frage von Relevanz
Im Analyseteil wird beklagt, dass Deutschland mit einem Staatsdefizit von 3,1 Prozent "zum fünften Mal in Folge" das Maastricht-Kriterium verfehle. Die Tatsache aber, dass diese Zahl gar nicht mehr weit vom Ziel entfernt ist, tun die Ökonomen anschließend mit der Bemerkung ab, dass dieses Kriterium ja ohnehin nicht so entscheidend und ökonomisch relevant sei. Warum haben es die gleichen Experten dann jahrelang und jetzt noch so hochgehalten?
Und weiter in diesem Stil: Die Statistiker der Institute haben nüchtern errechnet, dass die Staatsausgabenquote seit 1999 gefallen ist. Auf die Frage, warum trotzdem das Wachstum nicht anspringt, antworten die Experten, es habe sich zum Teil ja "nur um Privatisierungen" gehandelt - als hätten Ökonomen nicht gerade das seit Jahren gefordert.
Es wäre sinnvoller, die Institutsökonomen würden bei nüchterner und stringenter Analyse bleiben, statt sich als Wächter über den Reformeifer zu gerieren. Dann könnten sie sich auch einmal ernsthaft damit auseinander setzen, warum die immer geforderten und umgesetzten Reformen noch kein Wachstum brachten.