Gibt es im Lebenszyklus einer Branche so etwas wie die Pubertät, dann steckt die Solarbranche gerade mittendrin. Nach Jahren, in denen es immer nur aufwärtsging, sind die Hersteller von Solaranlagen nun erstmals mit ernsthaften Problemen konfrontiert. In ihrem Wachstum stoßen sie an Grenzen.
Eines der Probleme ist der massive Absatzeinbruch, den die Wirtschaftskrise ausgelöst hat. Viele Banken haben sich aus der Finanzierung von Solarprojekten zurückgezogen. Dem stehen weltweit gewachsene Kapazitäten gegenüber, vor allem in Asien. Die Folge: sinkende Preise.
Ausgerechnet in diese schwierige Lage platzt nun auch noch ein Qualitätsproblem. Nach einem spektakulären Brand auf dem weltgrößten Fotovoltaikdach Mitte Juni und einer aufsehenerregenden Rückrufaktion von BP vor zwei Jahren muss nun auch der norwegische Hersteller REC Solar 300.000 Module überprüfen lassen. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie sind bis zu 25.000 der 500.000 Solaranlagen auf deutschen Dächern brandgefährdet. Ein Imageverlust der bisherigen Vorzeigebranche ist programmiert.
Die falsche Reaktion wäre es jetzt aber, den Abgesang auf die Solartechnik anzustimmen oder gar von der politischen Förderung abzurücken. Rückschläge sind in einer so schnell gewachsenen Branche normal. Normal ist auch, dass in einer Konsolidierungsphase einige Hersteller aus dem Markt ausscheiden werden.
Deutschland und Spanien sind so etwas wie die Eltern dieser Technik. Sie haben den Boom der vergangenen Jahre mit staatlichen Förderprogrammen angestoßen und es deutschen Unternehmen ermöglicht, zu den Pionieren der Solarbranche zu werden. Dabei konnte die Politik nicht verhindern, dass auch andere von der Nachfrage der Deutschen nach Solaranlagen profitierten. Die Solarzelle ist zum Massenprodukt geworden, das fast überall billiger hergestellt werden kann als in Deutschland. Zudem wird der deutsche Markt bald gesättigt sein. Ein wirkliches Solarland kann Deutschland schon wegen seines Klimas nie werden.
Für die deutschen Hersteller heißt das: Sie müssen raus aus dem heimischen Nest und rein in die Märkte, die noch Wachstumsschübe versprechen. Das sind vor allem die USA, die die Technik in den kommenden Jahren massiv ausbauen wollen. Die deutsche Politik kann dabei nur begrenzt helfen. Sie tut jedoch gut daran, die Förderungen noch beizubehalten. Andernfalls entzieht sie den Herstellern die Basis im nach wie vor wichtigen Heimatmarkt, ohne die eine Expansion nicht gelingen kann.
In erster Linie aber sind die Unternehmen selbst gefragt. Nach der jüngsten Pannenserie in der Branche müssen deutsche Hersteller beweisen, dass "made in Germany" für Qualität steht. Und auch bei der Entwicklung effizienterer Technologien gilt es, den Vorsprung zu nutzen, den sie noch haben. Dann werden aus den Halbstarken auch erfolgreiche Erwachsene.