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Merken   Drucken   19.01.2009, 20:37 Schriftgröße: AAA

Leitartikel: Staatsanleihen - Grenzen der Gemeinsamkeit  

Die Märkte sind dünnhäutig geworden. Noch vor wenigen Monaten wäre einer, der öffentlich den Bankrott eines großen europäischen Landes in den Raum gestellt hätte, für ebenso verrückt erklärt worden wie jemand, der zu Beginn der 80er-Jahre über den nahenden Mauerfall sinnierte.
Heute, da Staaten wie Island und Ungarn bereits an der Zahlungsunfähigkeit vorbeigeschrammt sind, preisen die Investoren jede Eventualität kühl in ihre Berechnungen ein. Das bedeutet weder, dass Europa ein Mega-Bailout blüht, noch, dass der gemeinsame Währungsraum akut vor dem Zerfall steht.
Tatsache ist aber, dass einzelne europäische Länder, die sich in den vergangenen Jahren stark verschuldet und gegenüber ihren Nachbarn an Wettbewerbsfähigkeit verloren haben, in einen Teufelskreis zu geraten drohen: Senken die Ratingagenturen die Bonitätsnote, wie jetzt bei Griechenland und Spanien geschehen, müssen diese Länder einen höheren Zins für Staatsanleihen bieten. Ihre Schuldenlast wächst dadurch zusätzlich, was wiederum die Attraktivität aus Sicht der Investoren weiter schmälert. Sie haben noch einen Grund mehr, vergleichsweise sichere Bundesanleihen vorzuziehen, die dank der Größe des deutschen Marktes zudem wesentlich liquider sind - in klammen Zeiten ein wichtiger Nebenaspekt.
Der Impuls der EU, diese Abwärtsspirale zu stoppen, ist verständlich. In diese Richtung zielen die Überlegungen, statt nationaler Schuldtitel gemeinsame Euro-Staatsanleihen zu begeben.
Die Gefahren eines solchen Projekts sind aber höher als der potenzielle Nutzen.
Dass die Zinsniveaus der Staatsanleihen innerhalb der EU auseinanderlaufen, ist an sich nichts Schlechtes. Die Wucht der Finanzkrise hat den Stabilitätspakt, der die Euro-Staaten zur Haushaltsdisziplin zwingen sollte, auf eine Absichtserklärung reduziert. Umso wichtiger ist es, dass zumindest der Kapitalmarkt noch Anreize für verantwortungsbewusstes Wirtschaften setzt.
Im Übrigen müsste gerade Deutschland, das heute vom niedrigsten Zins profitiert, bei einer gemeinsamen Euro-Anleihe deutlich draufzahlen.
Natürlich ist es ein Problem für kleine Staaten, dass ihre Anleihen weniger liquide sind und daher einen Zinsaufschlag bieten müssen. Die Liquidität ließe sich aber schon erhöhen, wenn sich einige Kleine zu gemeinsamen Anleihen zusammentun. Politisch wäre das allemal leichter zu vereinbaren.
  • Aus der FTD vom 20.01.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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