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Merken   Drucken   14.02.2008, 20:20 Schriftgröße: AAA

Leitartikel: Stammzelldebatte - Frischzellen für die Forschung  

Im Frühjahr wird der Bundestag das umstrittene Stammzellgesetz lockern. So viel scheint nach der Debatte vom Donnerstag sicher: Eine Mehrheit der Abgeordneten will den Import embryonaler Stammzellen freigeben, die vor dem 1. Mai 2007 gewonnen wurden.
Auch die Kriminalisierung deutscher Forscher, die im Ausland nach dortigem Recht mit jüngeren Stammzellen arbeiten, findet immer weniger Anhänger.
Es ist die richtige Entscheidung, die Stammzellforschung zu liberalisieren. Sie befindet sich immer noch in einem frühen Stadium. Dass die voreiligen Heilsversprechen einzelner Forscher und Interessengruppen sich nicht erfüllt haben, ist kein Argument, die gesamte Disziplin für gescheitert zu erklären, wie es Befürworter eines Importverbots tun.
Falsch ist auch die Vorstellung, dass im großen Stil aus menschlichen Embryonen medizinisches Rohmaterial gewonnen werden soll. Die Zukunft liegt in der Gewinnung von Stammzellen aus Körperzellen des Patienten. Hier macht die Forschung Fortschritte. Sie braucht dafür aber Erkenntnisse über die Eigenschaften von Stammzellen. Sie braucht die Grundlagenforschung am Original.
Mit den alten Zelllinien, auf die deutsche Forscher derzeit beschränkt sind, ist dies nicht mehr möglich. Im Ausland gibt es reichlich hochwertige Zelllinien - in Deutschland allerdings nur wenige Labore, die damit arbeiten könnten. Der Bundestag könnte die Stichtagsregelung völlig aufheben, ohne dass der globale Bedarf an Stammzellen dadurch merklich wachsen würde.
Gegen eine Liberalisierung kann nur die Überzeugung sprechen, dass es prinzipiell unverantwortbar ist, Zellen aus Embryonen zu gewinnen, die ansonsten eingefroren oder getötet werden. Erweist sich dies bei der Abstimmung als Minderheitenmeinung, muss das Parlament die Zügel lockern.
  • Aus der FTD vom 15.02.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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