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Merken   Drucken   25.05.2008, 20:18 Schriftgröße: AAA

Leitartikel: Telekom setzt Vertrauen aufs Spiel  

Die Deutsche Telekom soll mehr als ein Jahr lang Telefonate von eigenen Managern, Aufsichtsräten und Journalisten observiert haben. Wenn die Vorwürfe zutreffen und sich herausstellen sollte, dass Kundendaten missbraucht wurden, wird der Konzern nicht nur juristische Probleme bekommen.
Vor gut anderthalb Jahren erschütterte ein monströser Abhörskandal Italien: Unter Beteiligung des Sicherheitschefs von Telecom Italia waren jahrelang Telefonate prominenter Manager, Politiker, Journalisten und Sportler belauscht worden.
Die so gewonnenen Erkenntnisse gingen dann an den Fiskus oder den Geheimdienst, wurden weiterverkauft oder für Erpressungen genutzt. Die Vorwürfe, die jetzt gegen die Deutsche Telekom  erhoben werden, sind zwar eine Nummer kleiner. Aber sie sind deshalb kaum weniger gravierend: Das Unternehmen soll keine Telefonate mitgehört, sondern Verbindungsdaten ausgewertet haben. Ziel soll es gewesen sein, den Konzern selbst gegen Verrat von Betriebsgeheimnissen zu schützen.
Wenn tatsächlich so mit Kundendaten verfahren wurde, dann ist dies ein Skandal ersten Ranges, der zu harten Konsequenzen führen muss - nicht nur intern bei der Telekom, sondern auch durch die Aufsichts- und Strafverfolgungsbehörden. Denn die Grenzen zwischen einer scheinbar ehrenwerten Recherche "im Dienste des Unternehmens" und kriminellen Geschäften nach italienischem Vorbild sind in der Schnüffelpraxis immer fließend.
Natürlich hat jedes Unternehmen das Recht, dagegen vorzugehen, dass interne Informationen unkontrolliert nach außen sickern. Eine Aktiengesellschaft wie die Telekom ist bei börsenrelevanten Daten sogar verpflichtet, dies zu tun. Die Verwendung markierter Unterlagen oder die Analyse der Verbindungslisten, in denen die vom Unternehmen ausgehenden Anrufe erfasst werden, können in gravierenden Fällen ein Aufklärungsinstrument sein.
Der Telekom wird nun aber vorgeworfen, nicht nur Daten von Mitarbeitern, sondern auch solche von Kunden ausgespäht zu haben - Verbindungen von Journalisten und Aufsichtsratsmitgliedern, die das Netz der Telekom nutzten. Für ihre Arbeit, aber auch für ihre rein private Kommunikation.

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