Um die Aussichten für die deutsche Wirtschaft ist es derzeit schlecht bestellt, aber es gibt noch Bereiche, die Hochkonjunktur haben: Wirtschaftsinstitute und Statistiker. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht wieder ein neuer Krisensuperlativ verkündet wird. Am Montag war es der Geschäftsklimaindex des Ifo-Instituts, der mit seinem tiefsten Stand seit 1993 die Schlagzeilen bestimmte - bis das Institut der deutschen Wirtschaft nachzog und vermeldete, dass fast ein Drittel der Unternehmen für das kommende Jahr mit Stellenabbau rechneten.
Infolge der allgemeinen Verunsicherung über die tatsächlichen Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise für den Arbeitsmarkt gewinnt die Suche nach handfesten Fakten fieberhafte Züge. Das ist verständlich, birgt aber die Gefahr, dass sich die Politik an Gewissheiten orientiert, die keine sind. Und dass sich die Parteien im Wahlkampfjahr auf Indikatoren stürzen, die sie gut aussehen lassen - auch wenn sie wenig über Erfolg und Misserfolg ihrer Politik aussagen.
Beispiel Arbeitslosenzahlen: Da diese Statistik der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung grundsätzlich mit Verzögerung folgt, ist es sogar denkbar, dass die Zahl der Erwerbslosen im November noch einmal gesunken ist - was aber nicht heißt, dass die Lage im Sommer nicht sogar dramatischer aussehen könnte als derzeit vermutet. Umgekehrt ist aber ebenso vorstellbar, dass den deutschen Arbeitnehmern der große Kahlschlag erspart bleibt, weil sich die Unternehmen mit flexibleren Arbeitsmodellen von Leih- bis Kurzarbeit über die Auftragsflaute hinwegretten.
Unternehmen sind flexibler geworden
Eines steht fest: Mit den Reformen der rot-grünen Bundesregierung und den wirtschaftsfreundlichen Ergebnissen der vergangenen Tarifrunden ist Bewegung in den Arbeitsmarkt gekommen. Unternehmen haben heute wesentlich mehr Spielräume in ihrer Personalpolitik als noch vor zehn Jahren. Während des zurückliegenden Booms mangelte es nicht an Stimmen, die den Aufschwung als Verdienst ihrer Politik reklamierten. Um seriöse Rückschlüsse auf die Wirksamkeit früherer Reformen anzustellen, reicht der Blick zurück jedoch nicht aus. Ob Betriebe wegen der hohen Auslandsnachfrage nach ihren Produkten einstellten oder wegen niedrigerer Lohnkosten, lässt sich heute kaum sagen.
Der wirkliche Belastungstest für den neuen Arbeitsmarkt steht erst jetzt mit der Rezession bevor. Entscheidend ist dabei nicht, welche Zahl die Erwerbslosenstatistik im schlimmsten Fall erreicht, sondern ob die Unternehmen schnell wieder einstellen, sobald sich ihre Situation entspannt. Mit anderen Worten: Kehrt mit der Krise auch die berüchtigte Sockelarbeitslosigkeit zurück, oder wird nach einem Jobabbau in Zukunft auch wieder rasch eingestellt?