Im Streit um vereinbarte Bonuszahlungen für die Vorstandsmitglieder der Bahn allerdings sind die alten Konflikte wieder aufgebrochen: Tiefensee funkt dazwischen, ohne große Sachkenntnis, und beschädigt aus populistischem Kalkül das Unternehmen. Der Minister hat den gesamten Bahnvorstand desavouiert. Er bleibt dabei, nicht frühzeitig von den Boni gewusst zu haben, und fordert den Vorstand auf, freiwillig auf die Prämien zu verzichten. Damit jedoch steht Tiefensee allein. Für den passionierten Cellisten dürfte dieses Solo den Schluss seiner Amtszeit einleiten.
Der ehemalige Leipziger Bürgermeister ist völlig isoliert. Sogar seine eigene Partei, die SPD, steht nur noch formell hinter ihm. Das könnte sich schon am Dienstag zeigen, wenn Tiefensee vor den Haushaltsausschuss tritt.
Kaum jemand glaubt noch daran, dass der Minister über die Sonderzahlungen bei seinem wichtigsten Projekt nicht informiert war. In Berlin steht Tiefensee somit als jemand da, der nicht die Wahrheit gesagt hat. Sein Versuch, davon abzulenken, indem er erst seinem Staatssekretär und dann der Bahn den schwarzen Peter zuspielte, ist fehlgeschlagen. Einen Ausweg aus dieser Situation bietet nur noch der Rücktritt.
Das Wirtschafts- und das Finanzministerium stehen hinter den Bonuszahlungen. Und auch aus dem Kanzleramt kann Tiefensee keine Rückendeckung mehr erwarten. Bundeskanzlerin Angela Merkel schaut zu, wie Tiefensee sich selbst demontiert - und nach seinem letzten Solo hinter der Bühne verschwindet.