Der Zusammenschluss sollte 2001 die Hochzeit im Himmel der Medienbranche werden - und entpuppte sich genau wie bei
Daimler und Chrysler als Milliardengrab. Als purer Portfoliobereinigung, die sie ist, mag es der Abspaltung an unternehmerischem Esprit mangeln. Das ändert aber nichts daran, dass sie ein konsequenter Schritt eines notwendigen Konzernumbaus ist.
Denn die Idee zur Fusion schien zwar gut, ließ sich aber nicht umsetzen. Die Weiterverwertung der Inhalte von
Time Warners Dickschiffen "Time Magazine", CNN und Warner Bros. sollte AOL Nutzer und Werbeerlöse einbringen. Dass daraus nichts wurde, ist nicht unbedingt dem Management anzulasten: Bislang hat es noch kein Konzern geschafft, aus der Verschränkung von On- und Offlineangeboten substanzielle Synergien zu heben. Dass der damalige Vorstand auf dem Höhepunkt der Internetblase das Risiko einging, für die Fusion eine Wahnsinnssumme von 160 Mrd. Euro hinzublättern - das jedoch bleibt ein unverzeihlicher Sündenfall.
Warner-Chef Jeffrey Bewkes trennt nun, was nie zusammengewachsen ist. Beiden Unternehmen eröffnet er so neuen Spielraum: Time Warner ist nun von Altlasten befreit und steht als reines Medienunternehmen da, nachdem Bewkes schon vor einem Jahr die Kabelnetzsparte losschlug. Und für AOL mag sich doch noch ein Interessent finden, der an dem strauchelnden Internetunternehmen Gefallen findet, wenn es fair an der Börse bewertet ist.
Denn es ist ja nicht so, dass nie jemand AOL hätte haben wollen. Nur verlangte Bewkes zu viel Geld für die Krisensparte. Und das ist dann auch das Einzige, was sich der Warner-Chef vorwerfen lassen muss: AOL hätte er schon längst los sein können.