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Merken   Drucken   08.10.2008, 20:09 Schriftgröße: AAA

Leitartikel: US-Wahlkampf - Vorteil für Mr Cool  

Barack Obama liegt dank der Finanzkrise im Rennen ums Weiße Haus wieder vorn. Seine distanzierte Art ist plötzlich seine größte Stärke.
Wer zu Beginn des Wahlkampfs gesagt hätte, Barack Obama  stehe Anfang Oktober als der bessere Krisenmanager da, wäre wohl ausgelacht worden. Nach dem Krieg in Georgien schien die Wahl für den Präsidentschaftskandidaten der US-Demokraten sogar schon verloren. Die Reden vom Wandel, das ständige "Yes, we can!" - all das war nicht mehr gefragt. Der ehemalige Marinepilot und jetzige republikanische Kandidat John McCain  war mit seiner langen politischen Erfahrung klar im Vorteil. Prompt übernahm er die Führung in den Umfragen.
Seit ein paar Wochen ist es damit vorbei. Eine historische Finanzkrise schüttelt die Welt durch, am stärksten die USA. Und plötzlich ist das ruhige, teils professorale Auftreten Obamas beim Wähler gefragt. "Mr Cool", wie ihn das US-Magazin "Newsweek" nannte, ist wieder im Rennen. Keine Rede mehr davon, dass er zu distanziert, zu kühl und zu abgehoben sei. Obamas Schwäche ist seine neue Stärke geworden. Auch bei der zweiten Fernsehdebatte mit McCain wurde dieser Wandel sichtbar.
Dabei hat der Senator aus Illinois sein Verhalten eigentlich gar nicht geändert. Es sind die Bedürfnisse der Wähler, die sich verändert haben. Sie möchten an die Hand genommen und durch die Krise geführt werden. Anders als "Mr Hot" McCain verfährt Obama nicht nach dem Motto "Vorwärts, egal wohin!". In den Debatten um Rettungspakete und schärfere Aufsicht hielt er sich mit markigen Thesen zurück und musste dann auch nicht ständig den Rückzug antreten.
Obama wirkt schlicht gelassener und besonnener. Wenn Panik herrscht, ist das gefragt. Welcher Kandidat am Ende wirklich der bessere Krisenmanager wäre, ist damit natürlich nicht geklärt. Die Wähler haben aber offenbar entschieden, wer ihn am ehesten verkörpert.
  • Aus der FTD vom 09.10.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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