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Merken   Drucken   05.07.2009, 18:21 Schriftgröße: AAA

Leitartikel: Vattenfall hat nichts gelernt  

Der neueste Störfall im Kernkraftwerk Krümmel ist ein Desaster für Vattenfall und die ganze Branche. Wer jetzt noch längere Laufzeiten will, muss erklären, wie er für Sicherheit sorgen will.
Verfolgt man die Ereignisse des Wochenendes, könnte man meinen, der Energiekonzern Vattenfall  habe sich zu aktiver Wahlkampfhilfe für die Grünen entschlossen. Da hat Vattenfall das umstrittene Kernkraftwerk Krümmel gerade erst wieder angefahren und will es nach zwei Jahren Reparaturarbeiten erstmals wieder auf Volllast betreiben, und schon häufen sich Pannen, wie sie sich die vehementesten Gegner der zivilen Nutzung von Atomkraft nicht besser hätten ausmalen können.
Zuerst brennt ein ebensolcher Transformator, wie ihn Vattenfall gerade eben zwei Jahre überprüft hatte, dann wird das zuständige Lagezentrum der Landesregierung zunächst nicht informiert, anschließend der Schaden für die Bevölkerung heruntergespielt.
Wer meinte, dass Vattenfall aus dem Imagedesaster von 2007 gelernt haben müsste, sah sich in den vergangenen 48 Stunden eines Besseren belehrt.
Vattenfalls dilettantisches Vorgehen schadet dem Unternehmen. Es schadet aber auch der gesamten Branche. Die großen Energiekonzerne Vattenfall, Eon und RWE hatten in den vergangenen Monaten zusehends Hoffnung geschöpft, dass nach der Bundestagswahl im September eine schwarz-gelbe Bundesregierung den Atomausstieg rückgängig machen könnte. Publikumswirksam stellten sie ihre Investitionen in erneuerbare Energien heraus, um ihr Image aufzupolieren. Gleichzeitig warben sie hinter den Kulissen dafür, die Laufzeiten deutscher Kernkraftwerke zu verlängern, und stießen damit bei Unionspolitikern bis hinauf zu Bundeskanzlerin Angela Merkel auf offene Ohren.
Um die Debatte über dieses hochemotionale Thema nicht unnötig aufzuheizen, mühte sich die CDU-Spitze nach Kräften, es aus dem Wahlkampf herauszuhalten.
Das hat sich dank Vattenfall nun glücklicherweise erledigt. Das Thema Kernkraft ist zu sensibel und zu wichtig, um seine Zukunft in kleiner Runde bei einem Glas Wein festzuzurren.
Statt leise und verschwiegen Laufzeitverlängerungen vorzubereiten, müssen die Energiekonzerne nun überzeugend darlegen, warum sie ihre alten Anlagen noch länger laufen lassen wollen.

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