Je dunkler es in der weltweiten Wirtschaftskrise wird, desto heller strahlen die wenigen Megadeals, die es noch gibt. Für 41 Mrd. $ will der US-Pharmakonzern
Merck & Co. seinen Rivalen
Schering-Plough übernehmen - in einer Zeit, in der man zweistellige Milliardenwerte nur noch als Löcher in Bankbilanzen oder als staatliche Rettungsspritze für pleitebedrohte Konzerne kennt, ist das ein beachtliches Volumen.
Wichtiger als das hoffnungsvolle Signal an die depressionsgefährdeten Märkte ist für die Fusionspartner allerdings, dass ihr Plan betriebswirtschaftlich Sinn ergibt. Anders als bei manch einem früheren Pharmadeal folgen Merck und Schering-Plough nicht blind dem Trend zur Größe, der in der Branche seit Langem als Leitmotiv gilt. Die Partner kennen einander gut, weil sie jahrelang bei der Entwicklung einzelner Medikamente zusammengearbeitet haben - das dürfte die Integration deutlich einfacher machen als bei einer grenzüberschreitenden Fusion. Auch ist es ein realistisches Ziel, wenn sich Merck von der Übernahme Synergieeffekte in Milliardenhöhe etwa bei der Entwicklung neuer Medikamente verspricht.
Dennoch wäre es der falsche Schluss, das Patentrezept gegen die Krise in einer verschärften Konsolidierungsstrategie zu sehen. In relativ stabilen Branchen wie der Pharmaindustrie oder auch der Energiewirtschaft mögen Übernahmen gerade jetzt der einfachste Weg sein. Wo Märkte im Umbruch sind, wie etwa in der Automobil- oder natürlich der Hightechindustrie, werden Unternehmen die Zukunft aber nicht gewinnen, indem sie nur die Kosten drücken. Viel wichtiger ist es, innovative Produkte und Geschäftsmodelle zu entwickeln.
Sicher würde etwa Daimler und BMW eine engere Kooperation oder gar Fusion bei den Kosten helfen. Langfristig kommt es aber für sie vor allem darauf an, moderne Antriebstechnologien zur Serienreife zu bringen, die denen der Konkurrenz voraus sind. Gleiches gilt im Übrigen für Merck und Schering-Plough: Größe sichert noch nicht die entscheidenden Patente.
Unabhängig von der industriellen Logik eines höheren Konsolidierungstempos - aus volkswirtschaftlicher Sicht wäre es fatal, wenn sich die Krise zum Katalysator für Großfusionen entwickeln würde. Wie gefährlich es ist, wenn Konzerne zu groß werden, als dass man ihre Pleite zulassen kann, erleben wir gerade schmerzhaft im Finanzsektor.