Es ist ein Spiel, das niemandem so richtig Spaß machen kann außer dem Spieler selbst. Stolz verkündet der Iran einen Testlauf im Atomreaktor Buschehr, der mit Know-how und Brennstoffen aus Russland betrieben werden soll. So weit, so gut - gegen eine zivile Nutzung der Kernenergie im Iran erheben auch USA und EU keine Einwände.
Beunruhigend wird die Sache erst, wenn die Regierung in Teheran zugleich bekannt gibt, die Kapazitäten zur Urananreicherung ausgeweitet zu haben. Der Westen argwöhnt zu Recht, dass niemand selbst Uran anreichern muss, wenn er fertige Brennstoffe aus Russland geliefert bekommt - es sei denn, er verfolgt mit dem Projekt auch militärische Ziele.
Die Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen, sind allerdings begrenzt. Die neue US-Regierung hat deutlich gemacht, dass sie mit Teheran ins Gespräch kommen will, weshalb sich eine harte Linie derzeit verbietet. Und vor der iranischen Präsidentenwahl ist ohnehin kaum Bewegung denkbar.
Umso wichtiger ist es daher, dass Russland seine Verantwortung im Iran wahrnimmt und sich nicht auf die Rolle des freundlichen Technologiepartners beschränkt. Moskau muss klarmachen, dass eine langfristige Zusammenarbeit nur infrage kommt, wenn der Iran angereichertes Uran lediglich importiert und nicht aus zwielichtigen Motiven selbst herstellt.
Für Russlands Premier Wladimir Putin ist die Gelegenheit günstig, sich als vertrauenswürdiger Akteur zu präsentieren. Die USA haben kaum noch Interesse an der in Moskau kritisierten Raketenabwehr, und auch die Pläne für eine Aufnahme der Ukraine und Georgiens in die Nato liegen auf Eis. Nun wäre es an Russland, einen Schritt auf die neue US-Führung zuzugehen.
Darüber hinaus müsste der Kreml ein ureigenes Interesse daran haben, eine Nuklearmacht Iran zu verhindern. Das Mullahregime ist eine latente Bedrohung an der Südflanke Russlands. Und in Israel, dem Teheran wiederholt gedroht hat, leben eine Million einstiger Sowjetbürger.