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Merken   Drucken   27.10.2008, 20:35 Schriftgröße: AAA

Leitartikel: Witzfigur Dax  

Der verrückte Kursanstieg der VW-Aktie verfälscht den Leitindex in absurder Weise. Die Deutsche Börse muss ihr Regelwerk zur Gewichtung der einzelnen Titel ändern - und zwar unverzüglich.
Solche aberwitzigen Kursbewegungen bei einem Wert hat es an der Deutschen Börse noch nie gegeben. Mehr als unfassbare 200 Prozent lag die Aktie des Volkswagen-Konzerns gestern zwischenzeitlich im Plus, am Ende schloss sie bei immer noch irrsinnigen 146 Prozent. Statt mit einem der größten Verluste seit dem Ausbruch der Finanzmarktturbulenzen ging der Leitindex sogar mit einem leichten Gewinn aus dem Handelstag - und das, obwohl die Dax-Schwergewichte Siemens, Eon und Allianz allesamt kräftig verloren.
Was auch immer die Gründe hinter dieser Kursentwicklung sind - wenn ein einziger Wert einen der wichtigsten Indizes der Welt derart verfälschen kann, ist der riesige Börsenchart auf dem Frankfurter Parkett nicht den Strom wert, mit dem er betrieben wird.
Die Lektion daraus kann deshalb nur lauten: Die Deutsche Börse als Betreiberin des Finanzplatzes Frankfurt muss ihr Regelwerk zur Gewichtung der einzelnen Dax-Werte ändern - und zwar unverzüglich.
Nach den geltenden Bestimmungen der Deutschen Börse kann das Gewicht eines Wertes im Index nur jedes Vierteljahr angepasst werden. Derzeit kommt die durch die schrittweise Erhöhung der Porsche-Anteile an Volkswagen wie gedopte VW-Aktie auf ein Indexgewicht von 17 Prozent - obwohl eigentlich nur zehn Prozent zulässig sind. Bis die Börse die Gewichtung wieder regulär korrigieren kann, ist es Mitte Dezember. Wenn der Leitindex nicht zum Gespött aller Marktteilnehmer werden soll, muss die Börse in Ausnahmesituationen auch eine sofortige Korrektur vornehmen.
Gerade in diesen Zeiten der Finanzkrise ist es ein beängstigendes Signal, wie leicht der Dax zum Spielball von Zockern werden kann. Denn so wie die VW-Aktie den Index jetzt nach oben zieht, kann es auch nach unten gehen.
  • Aus der FTD vom 28.10.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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