Denn irgendwie rappelt sich der am Boden liegende Boxer dann doch noch einmal auf und schleppt sich in eine nächste Runde - die dann endlich den Sieg bringen soll.
Im Boxring mag eine solche Moral ehrenhaft sein. Im Welthandel allerdings stellt sich nach sieben Jahren ermüdender Gespräche allmählich die Frage, ob der Wille zum Erfolg bei den wichtigsten Beteiligten überhaupt noch vorhanden ist. Zu oft wurde schon die letzte Chance zur Rettung der Handelsrunde ausgerufen, als dass sich damit noch eine wirkliche Alarmstimmung auslösen ließe.
Die derzeitigen Verhandlungen der Mitgliedsstaaten der Welthandelsorganisation (WTO) in Genf haben mit den üblichen Maximalforderungen begonnen. Amerikaner und Europäer verlangen von Entwicklungs- und Schwellenländern, dass sie ihre Märkte für Industriegüter und Finanzdienstleistungen weiter öffnen. Die Gegenseite hingegen sieht die Industriestaaten am Zug, zuerst Agrarsubventionen zu senken. Viel Spielraum für Kompromisse ist da nicht.
Hinzu kommt, dass die EU, anders als die G20-Gruppe der wichtigsten Entwicklungsländer, große Schwierigkeiten hat, einheitlich aufzutreten. Wagt sich einer ihrer Akteure vor, so kann es leicht passieren, dass er umgehend wieder eingefangen wird. So erging es am Montag EU-Handelskommissar Peter Mandelson, der mit dem Angebot vorpreschte, die Agrarzölle stärker zu senken als geplant. In der französischen Delegation, immerhin Vertreter der EU-Ratspräsidentschaft, wurde der Vorstoß sofort als Zahlenspielerei lächerlich gemacht. Unabhängig davon, ob es sich um ein gehaltvolles Angebot handelte oder nicht: Wer einen Erfolg der Verhandlungen will, verhält sich anders als die Franzosen.
Die Lustlosigkeit der Unterhändler steht in einem merkwürdigen Missverhältnis zu den immer drängenderen globalen Problemen. Die steigenden Preise für Nahrungsmittel auf den Weltmärkten haben auf drastische Weise deutlich gemacht, welche Vorteile eine weitere Liberalisierung des Handels mit sich bringen könnte. Jeder Schritt der Abschottung verschärft das Problem zusätzlich.
Dass die angeschlagenen Boxer in der WTO ausgerechnet diesmal den entscheidenden Schlag setzen, ist unwahrscheinlich. Zwar drängen die Unterhändler zur Eile, weil in den USA 2009 ein neuer Präsident und in der EU eine neue Kommission antritt. Doch sprechen diese politischen Unwägbarkeiten eher gegen Fortschritte. Mit Freihandel lassen sich keine Mehrheiten mehr gewinnen - auf keiner Seite des Atlantiks.