Der Autokonzern aus Stuttgart muss personell und strategisch die Startbedingungen für eine erfolgreichere Zetsche-Ära erst noch schaffen. Eine Belastung für das Unternehmen ist dabei vor allem ein Mann: Hilmar Kopper, Vorsitzender des Aufsichtsrats.
Der einstige Deutsche-Bank-Manager verkörpert wie Schrempp die alte Deutschland AG, in der zwischen Vorstand und Kontrollgremium Kungelei statt Gewaltenteilung vorherrschte. Kopper deckte Schrempps Traum von der "Welt AG" gegen alle Widerstände. Mit der Person des Ex-Deutsche-Bank-Vorstandsvorsitzenden Kopper wird der neue Daimler-Chef Dieter Zetsche einen Aufbruch nicht glaubwürdig machen können.
Darüber hinaus wird Zetsche aber auch das Verhältnis seines Unternehmens zur Deutschen Bank klären müssen. Unmittelbar nach Schrempps Rücktrittserklärung stieß der Großaktionär inmitten des Jubelfeuerwerks an der Börse ein ansehnliches Aktienpaket ab und kassierte dabei 1,4 Mrd. Euro. Das Vorgehen mag rechtlich unangreifbar sein, viele düpierte Kleinaktionäre stellen dennoch kritische Fragen: Wie viel wusste die Bank von der bevorstehenden Personalie, die nach jüngsten Darstellungen schon seit der Vertragsverlängerung im April 2004 feststand? Hat die Deutsche Bank Schrempps Ende aktiv befördert? Mindestens hat das Institut sich eine kommunikative Panne geleistet, die auch DaimlerChrysler nicht gleichgültig sein kann.
Und auf noch einer Baustelle ist Zetsche dringend gefragt. Der Chef der Traditionssparte Mercedes und enge Schrempp-Vertraute Eckhard Cordes hat seinen Rücktritt angeboten. Zetsche bringt das in ein Dilemma: Lässt er den Manager ziehen, der bei der Nutzfahrzeugsparte seine Saniererqualitäten bewiesen hat, entsteht eine Personallücke, die er so schnell nicht überzeugend füllen kann. Behält er ihn, steht an der Spitze der wichtigen Mercedes Car Group ein Chef, der nach seiner Niederlage im internen Konkurrenzkampf angeschlagen ist.
Wie schädlich die derzeitige Unsicherheit für das Unternehmen ist, zeigen die brodelnden Gerüchte über die Gründe von Schrempps Abgang. Zetsche muss möglichst schnell die Vergangenheit aufarbeiten, wenn er keinen Fehlstart verursachen will.