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Merken   Drucken   04.08.2008, 19:43 Schriftgröße: AAA

Leitartikel: Zur Sicherheit verpflichtet  

Kritik am Umgang der chinesischen Behörden mit Minderheiten ist berechtigt. Gegen Terroranschläge von Separatisten aber muss das Land entschieden vorgehen.
In den politisch aufgeheizten Tagen vor den Olympischen Spielen in Peking gerät jede Nachricht rasch in den Verdacht, eine tiefere Bedeutung zu haben. Das gilt auch für den gestrigen Grenzzwischenfall in Nordwestchina, dessen genauer Hintergrund unklar ist. Die Versuchung ist groß, sofort den Umgang der Chinesen mit den Uiguren zu kritisieren - jener islamischen Minderheit, die in der Region lebt und sich über eine kulturelle Unterdrückung durch die Zentralregierung beklagt.
Wenn jedoch die Darstellung der amtlichen Nachrichtenagentur zutrifft - diese Einschränkung ist nötig -, dann handelt es sich um einen brutalen Terroranschlag. Danach haben mehrere uigurische Männer die Soldaten attackiert und dabei 16 Menschen getötet.
Auf Terroristen, gerade wenn sie kurz vor einem Großereignis zuschlagen, kann ein Staat nur mit Härte reagieren. Chinas Führung muss alles tun, um die Sicherheit der Spiele zu gewährleisten, und es spricht viel dafür, dass gewaltbereite Separatisten versuchen, das Forum Olympia für ihre Zwecke zu nutzen. Die Behörden haben mehrfach auf mögliche Anschläge hingewiesen und nach eigenen Angaben Pläne für größere Aktionen vereitelt. Derlei Angaben sind schwer zu belegen, können aber eben auch nicht von der Hand gewiesen werden.
Der Umgang mit Minderheiten ist in China wie in anderen autoritären Staaten ein großes Problem. Die Uiguren fordern ebenso wie die Tibeter eine größere kulturelle und politische Autonomie. Derartige Konflikte zu beenden ist auch in demokratischen Ländern schwierig, zumal es immer Gruppen gibt, die davon leben, dass sie nicht gelöst werden.
Es ist richtig, auf die Lage der Minderheiten aufmerksam zu machen und China aufzufordern, mehr Freiheit zuzulassen. Aber auch Peking hat das Recht, Terrorismus zu bekämpfen.
  • Aus der FTD vom 05.08.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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