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Merken   Drucken   10.05.2008, 10:39 Schriftgröße: AAA

Muttertag: Regel Nummer eins: Locker bleiben  

Kinder sind großartig - aber es gibt keine Verschwörung zur Schwängerung der Europäerinnen. Ob sich jemand für oder gegen Kinder entscheidet, ist eine ganz und gar persönliche Angelegenheit. von Silvana Koch-Mehrin
Ein Bekenntnis vorab: Kinder sind großartig. Und Kinder können verdammt nerven. Eine banale Alltagsweisheit, die vermutlich so ziemlich jeder nachempfinden kann.
Die französische Autorin Corinne Maier hat 40 Gründe zusammengeschrieben, die gegen das Kinderkriegen sprechen. Ohne sich mit dem Buch oder der Verfasserin beschäftigt zu haben, könnte man zuerst eine amüsante Rangliste erwarten, die von Breiflecken auf dem Designerkostüm bis hin zum grausamen Schlafentzug reicht. Alle Eltern kennen das, und manchen geht früher, anderen später der Humor dabei aus.
Aber Maier will nicht lustig sein, sie versucht es mit intellektuellem Anspruch. So wie die Ex-Nachrichtenverleserin Eva Herman sich in ihrer Nische eingerichtet hat und Sympathien bei Ewiggestrigen, rechten und rechtsextremen Gesinnungsleuten sammelt, bedient Maier die linken Gesellschaftsschichten. Die Quellen der beiden Mutterideologinnen: vier Ehen und ein Kind bei Herman, zwei Kinder bei Maier. Die eine propagiert nach dem Ende ihrer Karriere die Heim-an-den-Herd-Ideologie. Die andere verdächtigt "den Staat" und "die Ökonomie" einer bisher nur von ihr erkannten Verschwörung zur Schwängerung der Europäerinnen.
Ich frage mich: Was will Maier? Was ist das Problem dieser Frau?
Den Begriff Humankapital nimmt sie in einer fürchterlichen Weise wörtlich, indem sie Wachstum mit Kindern gleichsetzt. Ein Wachstum, das sie im gleichen Zug ablehnt, da es "Arbeitsplätze schafft, deren Stupidität niemandem Ehre macht". Den Menschen sieht sie ausschließlich als Element des Materialismus. Sinn und Zweck ihres Mitteilungsbedürfnisses bleiben schleierhaft. Geht es tatsächlich um eine Demoralisierung der Gesellschaft? Oder ist Maier einfach nur auf diesem Trip, weil er gute Auflagezahlen verspricht?
Kinder zu haben ist eine ganz und gar individuelle, eine persönliche Entscheidung. Kinder zu haben ist selbstverständlich. Ebenso selbstverständlich ist es aber auch, keine Kinder zu haben. Mit anderen Worten: Ob jemand Kinder hat oder nicht, ist in einer freien Gesellschaft egal. Da braucht es keine Polemik.

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