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Merken   Drucken   29.01.2009, 10:34 Schriftgröße: AAA

Pressestimmen: "Alle reden vom Datenschutz, wir nicht"  

Der Umfang der Überprüfungen lege den Verdacht nahe, dass es bei nicht um Korruption ging, sondern auch darum Widersacher im eigenen Haus mundtot zu machen, glauben die deutschen Leitartikler.
"Allgemeine Zeitung" (Mainz):
"Hier hat die Bahn im sprichwörtlichen Sinne nicht mit Kanonen auf Spatzen, sondern mit Mittelstreckenraketen auf Ameisen geschossen. Wenn ein Konzern, welcher auch immer, drei Viertel seiner Mitarbeiter ausforscht, spottet das unter rechtsstaatlichen Gesichtspunkten jeder Beschreibung. In der Politik wurde knüppelhart gerungen, als es um Rasterfahndung und Online-Durchsuchungen ging. Die Bahn aber hat womöglich kurzerhand einen ihrer alten Slogans zweckentfremdet: Alle reden vom Datenschutz, wir nicht."
"Braunschweiger Zeitung":
"Dass bei mehr als 170.000 Überprüfungen nur rund 100 Korruptions- Hinweise gefunden wurden, zeigt, dass die überwältigende Mehrheit der Lokführer, Stellwerker und Verwaltungsmitarbeiter ihre Arbeit sauber erledigt. Sie müssen die Schnüffelei als Ohrfeige empfinden. Der Fall muss aufgearbeitet werden - und Konsequenzen für die Verantwortlichen haben. Ferner muss sichergestellt werden, dass Selbstjustiz auch in Konzernen unmöglich ist. Dafür gibt es Polizei, Staatsanwälte und Gericht."
"Neue Osnabrücker Zeitung":
"Die Bahnführung hat sich in den Irrglauben verrannt, beim Mitarbeiter-Screening korrekt gehandelt zu haben. Dabei sind die Bahnvorstände und besonders Mehdorn erfahren genug, um zu wissen, dass diese Methode der Überwachung der Rasterfahndung nahekommt, mit der nach RAF-Terroristen gesucht wurde. Ferner ist der Generalverdacht, unter den Bahnbedienstete bis hin zum Gepäckaufbewahrer gestellt wurden, tödlich für die Unternehmenskultur. Über neue heftige Konfrontationen wie beim Mega-Streik der Lokführer 2007 sollte man sich daher nicht wundern. Es sei denn, dass sich der Bahnchef zügig bei seinen Mitarbeitern entschuldigt. Wahrscheinlich wird die Politik Hartmut Mehdorn  aber auch dazu erst mühsam drängen müssen."

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