"Der Tagesspiegel", Berlin:
"Nein, der Mann macht keine halben Sachen - Edmund Stoiber ruiniert sich und die CSU ganz. Sein Zögern, bald schon legendär, und sein Mangel an Einsicht, auch schon allseits bekannt, verhindern, dass einer der bedeutenden Politiker der Union in Würde abtritt. Die Chance, dass es ihm doch noch gelingt, einen Rest davon zu bewahren, wird mit jedem Tag geringer. Dieser Montag ist wieder so einer: Danach muss er wissen, was er zu tun hat. Endlich. Bis 2013 wollte er regieren - und hat damit der wahren Wirklichkeit und nebenbei den Wählern in grotesker Weise Hohn gesprochen. Ein ungeheurer Fehler war das, der entscheidende."
"Frankfurter Allgemeine Zeitung":
"Selbst wenn Stoiber die Warnzeichen der vergangenen Monate gesehen hätte - die Revolte der Landtagsfraktion in der nachrangigen Frage der Ladenschlusszeiten; der wachsende Widerhall, den die Kampagne einer Landrätin in der Partei fand -, hätte er sie vermutlich nicht richtig gedeutet: Wie er sich ein Leben ohne Politik nicht vorstellen kann, so konnte er sich wohl auch eine CSU und damit Bayern ohne seine Führung nicht mehr vorstellen. In älteren Zeiten hätte man so etwas Verblendung genannt. Zu diesen Zeiten galt es für einen Feldherrn als erstrebenswertes Ideal, in offener Schlacht unterzugehen. In der Demokratie ist ein Abschied aus Einsicht ehrenvoller."
"Berliner Zeitung":
"Mit zwiespältigen Gefühlen dürfte Kanzlerin Angela Merkel Edmund Stoibers Abschiedsspiel verfolgen. Natürlich hat sie nicht vergessen, wie rücksichtslos der Bayer immer wieder mit ihr umgesprungen ist, wie er im Ringen um die Gesundheitsreform das Regieren ein ums andere Mal erschwerte. So wie einst der grüne Anti-Atom-Krawallo Jürgen Trittin das rot-grüne Bündnis in Dauerturbulenzen gestürzt hatte, so war es Edmund Stoiber, der durch seine irrlichternde Sprunghaftigkeit die große Koalition von Anfang an als wandelnde Hypothek belastete. Andererseits ist für Merkel die Nach-Stoiber-CSU als dritter Regierungspartner in Berlin nicht minder schwierig kalkulierbar. Die CSU war die letzte Konstante im nachkriegsdeutschen Parteiengefüge. Nun sind auch im Reich des bayerischen Löwen die Dinge mächtig in Fluss geraten."
"Braunschweiger Zeitung":
"Wann tritt er ab? Heute? Morgen? Übermorgen? Wer ist der Königsmörder? Und wer wird der neue König? Das sind die Fragen, die sich nach den Ereignissen der vergangenen Tage stellen. Sollten wir Mitleid haben? Wenigstens ein wenig Mitgefühl für einen Mann, dessen Leben die Politik ist und der am Ende vor einem Trümmerhaufen steht? Das muss jeder für sich selbst entscheiden. In der CSU-Spitze jedenfalls, im politischen Leben Bayerns und Berlins wird man Stoiber schnell abhaken. Ein paar anerkennende Reden, vielleicht eine Ehrenbürgerschaft, das war's."
"Kieler Nachrichten":
"Mit Tremolo in der Stimme fordern die Patrioten dieser Republik, Stoiber solle seine landesväterliche Verantwortung wahrnehmen und den Weg frei machen für seinen Nachfolger. Ja, wenn es denn einen Nachfolger gäbe. Die Hubers und Becksteins, die Seehofers und Herrmanns sind damit beschäftigt, einander zu belauern. Sie neutralisieren sich gegenseitig statt sich zu profilieren. So ist Politik eben, heißt es dann achselzuckend: schmutzig und hinterhältig. Ja, leider. So wird Politik auch bleiben, wenn sich das Publikum vor allem am Sturz der "großen Tiere" ergötzt, wenn sich Medien und politische Funktionsträger in der Lust am Untergang gegenseitig anstacheln."