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Merken   Drucken   06.10.2008, 08:06 Schriftgröße: AAA

Pressestimmen: "Hypo Real Estate verstaatlichen!"  

Kommentatoren deutscher Zeitungen halten es für richtig, dass die Bundesregierung die Hypo Real Estate rettet. Allerdings sollten Steinbrück und Merkel jetzt einen Schritt weiter denken.
"Frankfurter Rundschau":
"Gut möglich, dass die Hypo Real Estate verstaatlicht wird. Das wäre klug. Das Spiel, das seit zehn Tagen in Europa gegeben wird, lautet nämlich: Offener Angriff von großen Spekulanten auf das europäische Bankensystem. Der amerikanische Staat hat inklusive des Rettungsfonds inzwischen fast 1000 Mrd $ bereitgestellt. Europa jedoch noch keine 50 Mrd. Euro. Deshalb schwappt die Spekulation auf Bankenzusammenbrüche von Amerika nach Europa... Deshalb bleiben Deutschland und der EU gar nichts anderes übrig, als alle verfügbaren Waffen zu zücken, um die Banken zu stabilisieren, ja letztlich den Wohlstand der Bürger zu verteidigen. Die Waffen haben eines gemeinsam: Weniger Markt, mehr Staat."
"Südkurier" (Konstanz):
"Mit der erneuten Zuspitzung bei der Hypo Real Estate ist der Druck auf die Bundesregierung erheblich gestiegen. Denn niemand kann die Folgen einer Pleite der achtgrößten deutschen Bank vorhersagen. So sehr man es leichtsinnigen Bankern wünscht, dass sie ihre Suppe selbst auslöffeln ­ der Finanzsektor ist zu wichtig, als dass eine Regierung gelassen beobachten könnte, wie die Branche ins Schlingern gerät. Die gestern angekündigte staatliche Garantie für alle Spareinlagen zeigt, wie besorgt die Bundesregierung ist. Sie will um jeden Preis Ruhe in den Markt bringen und Panikreaktionen verhindern. Vermutlich ist eine solche Garantie auch billiger als das Auffangen von Banken, die ins Straucheln geraten sind."
"Kieler Nachrichten":
"Weil niemand die Folgen eines Zusammenbruchs der Hypo Real Estate absehen kann, muss die Bundesregierung das Institut stützen. Sie hat keine Wahl. Denn im Unterschied zu Lehman Brothers in den USA oder auch der Düsseldorfer IKB nimmt die Hypo Real Estate im deutschen Finanzsektor eine zentrale Rolle ein. Wie die Krise ausgehen wird, weiß niemand auch die Kanzlerin und ihr Finanzminister nicht, die mutig Garantien für Spareinlagen gaben. Aber einige Folgen sind schon klar. Mehr Staat, weniger Markt wird künftig die Parole heißen. Das Vertrauen in einen zentralen Bereich der Wirtschaft ist dahin. Verantwortungslose Finanzjongleure haben das wohl wichtigste Kapital verspielt."

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  • FTD.de, 06.10.2008
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