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Merken   Drucken   10.07.2008, 08:59 Schriftgröße: AAA

Pressestimmen: "In Toyako ist der G8 gestorben"  

G8 ganz abschaffen oder erweitern - die Ergebnisse des jüngsten Gipfels im japanischen Toyako spalten die Kommentatoren deutscher Tageszeitungen in zwei Lager. Einig sind sie sich nur in Einem: Die G8 sind handlungsunfähig.
"Le Monde" (Paris):
"Hätten die Verantwortlichen des G8-Gipfels dieses Schauspiel absichtlich inszeniert, hätten sie es genauso getan: die acht reichsten Länder der Welt haben gezeigt, dass sie die wichtigsten Probleme des Planeten nicht mehr allein oder miteinander regeln können. Um Lösungen zu suchen, müssen sie ab jetzt die wichtigsten Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien in ihre Überlegungen und Bemühungen miteinbeziehen. In Toyako ist der G8 vermutlich gestorben. Es lebe der G13 oder noch größere Kreis."
"La Stampa" (Turin):
"Da standen sie also in ihrer Gipfel-Kleidung und taten vor den Fernsehkameras so, als pflanzten sie einen Baum. So wollten sie ihr Engagement für die Umwelt und gegen den Klimawandel bezeugen - linkisch und ungeschickt erschienen die Führer der acht wichtigsten Industrienationen der Welt vor mindestens zwei Milliarden Fernsehzuschauern, die ihre Aktivitäten mehr oder weniger unaufmerksam verfolgten. In der Realität ist ihr ökologischer und klimapolitischer Einsatz vom Resultat her gesehen mindestens ebenso unangemessen geblieben - man könnte auch sagen genauso lächerlich - wie ihre Amtskleidung beim Pflanzen. Und wenn jemand noch Zweifel hatte, dann müsste die übliche Pressemitteilung, voll der guten Worte und Gemeinplätze, aber arm an Fakten, ihn davon überzeugt haben, wie unnütz, um nicht zu sagen schädlich diese Treffen sind."
"Daily Telegraph" (London):
"Dieses 34. Gipfeltreffen der reichsten Demokratien hat bestätigt, dass dieses Forum irgendeine Nützlichkeit, die es mal gehabt haben mag, überlebt hat. Der G8 ist von "Kamingesprächen", wie sie 1975 die französischen und deutschen Staatschefs Valéry Giscard d'Estaing und Helmut Schmidt konzipiert hatten, zu einem Mastodonten geworden, dessen Effizienz im umgekehrten Verhältnis zu seiner Größe steht. Es gibt Forderungen, China, Indien und andere Länder in die Runde der G8 aufzunehmen. Dies würde die Veranstaltung noch unbeweglicher machen. Man sollte sie ersatzlos streichen. Sie ist zu einem lächerlichen Anachronismus verkommen."
"Berliner Zeitung":
"Der Hinweis, die G8 könne viele Probleme nicht alleine lösen, dient zunehmend als Vorwand für Nichtstun oder als Schleier für interne Zerwürfnisse. Natürlich gehören viele der Themen auch in andere, größere Foren wie die Uno, die OECD oder Koordinationsrunden mit den Ölförderstaaten. Der Klimaschutz lässt sich am besten auf einem Klimagipfel voranbringen, und ein solcher war das Treffen von Toyako ausdrücklich nicht. Es hätte aber ein Vorbild und Anreize für den Rest der Welt liefern können, die Erderwärmung ernsthaft zu bekämpfen, auch wenn das teuer wird."
"De Volkskrant" (Den Haag): "Das mäßige Ergebnis wirft einmal mehr die Frage auf, ob G8 in der heutigen Zusammensetzung wirklich das geeignete Forum ist, die unterschiedlichen weltweiten Probleme zu besprechen. Länder wie China, Indien und Brasilien sind große Spieler geworden. Ohne einen vollwertigen Beitrag von ihrer Seite haben die Beratungen über monetäre Angelegenheiten, Energiepreise und Klimaveränderung wenig Sinn. Es spricht alles dafür, aus G8 einen G12 oder G13 zu machen. Aber das hat nur eine Chance, wenn man mit dem Besen auch durch andere verstaubte Clubs wie die Weltbank geht. Und auch dann dürfen noch keine Wunder erwartet werden - denn ein breiter aufgestellter Verein ist bestimmt keine Garantie für eine bessere Beschlussfähigkeit."
"Nepszava" (Budapest): "Afrika hat nur ein Viertel der schon früher versprochenen Gelder erhalten, bei den Klimazielen drückte man sich wieder einmal um konkrete Vorgaben herum. Warum ist das so? Nun, etwas maliziös ausgedrückt, ist die Demokratie an allem schuld. Die Politiker sind stets nur ihren eigenen Wählern gegenüber in der Verantwortung. Bei den Wahlen in den USA, in Deutschland, Großbritannien und den anderen G-8-Ländern stimmen die hunderte und aberhunderte Millionen Menschen aus den Entwicklungsländern nicht mit. So wie auch die Umwelt und das Klima nicht."
  • FTD.de, 10.07.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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