"Berliner Morgenpost""Wenn der frühere Post-Chef Klaus Zumwinkel sich 20 Mio. Euro
Pensionsansprüche auszahlen lässt, mag das rechtens sein. Aber es
widerstrebt dem Gerechtigkeitsempfinden vieler Bürger, denen es
deutlich zuviel zumwinkelt in Deutschland. Die gesellschaftliche
Ächtung, die vor einigen Jahren jedem Sozialhilfetrickser zuteil
wurde, darf auch den Größen der Wirtschaft zuteil werden. Zudem
sollten gerade die protestierenden Politiker kurz einmal überlegen,
wer denn die Verträge mit Zumwinkel im Quasi-Staatsbetrieb Post
durchgewunken hat. Die Volksvertreter gewinnen ihre Glaubwürdigkeit
erst wieder, wenn die Mehrheit der Bürger den Eindruck hat, dass man
sich gesellschaftlichen Aufstieg und Status nicht nur verdienen kann,
sondern auch stets aufs Neue verdienen muss."
"Badische Zeitung" (Freiburg)
"Burgherren früherer Jahrhunderte ritten, wenn sie knapp bei Kasse
waren, gerne mal zu Tal und raubten ein paar Reisende aus. Auf den
Burgbesitzer Zumwinkel trifft das gewiss nicht zu. Erstens war er
nicht knapp bei Kasse. Zweitens ist das, was er sich jetzt gegriffen
hat, keine Beute, sondern es steht ihm vertraglich zu. Heißt es. Hier
wird man daran erinnern müssen, dass der Staat, als ein solcher
Vertrag geschlossen wurde, noch Mehrheitseigentümer des Unternehmens
war. Wer macht eigentlich solche Verträge? Das muss sich auch Bayerns
Seehofer fragen lassen, der gestern so schön schäumte. Vor Gericht
hat Zumwinkel neulich sein Vermögen kleingerechnet. Ob das gelogen
war, müssen die Richter jetzt entscheiden. Die Öffentlichkeit hat
sich ihre Meinung schon gebildet: ein Ruhestand nach Burgherrn Art."
"Mannheimer Morgen"
"Hätte Klaus Zumwinkel ein bisschen Unrechtsbewusstsein, hätte er
freiwillig auf seine Millionenpension verzichtet, zumindest aber
einen anderen Zeitpunkt für die Auszahlung gewählt. Denn mit der
Telekom-Affäre steht gerade schon wieder die Frage im Raum, ob
Zumwinkel als damaliger Aufsichtsratschef den legalen Rahmen
verlassen hat. So aber bleibt im Moment nur das Bild eines dreisten
Abzockers, der sich keiner Schuld bewusst ist."
"Neue Osnabrücker Zeitung"
"Als Politiker im Aufsichtsrat der Post über die Pensionen des
Vorstands mitentschieden, herrschte bei ihnen Stillschweigen. Das
sicherte dem durch die Steueraffäre aus dem Amt gefegten Zumwinkel
sein 20-Millionen-Ruhegeld, was kaum noch zu ändern sein wird. Nicht
zu spät ist es aber für Korrekturen bei der Managervergütung. Denn
Zumwinkels Pensionsabgeltung von etwa einer 1 Mio. Euro pro
Dienstjahr als Chef eines DAX-Konzerns wird von manchem seiner
heutigen Kollegen locker getoppt. Etwas Gutes hat der Trend in der
Manager-Kaste, sich seine Pensionsbezüge auf einen Schlag auszahlen
zu lassen. Dadurch erfährt die Öffentlichkeit, was eine Führungskraft
ein Unternehmen tatsächlich kostet. Und in einigen Fällen auch, dass
dieser Preis viel zu hoch ist."