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Merken   Drucken   16.03.2009, 10:08 Schriftgröße: AAA

Pressestimmen: "Ruhestand nach Burgherrenart"  

Einst war Klaus Zumwinkel Deutschlands Vorzeige-Manager, nun wird er von den Kommentatoren abgestraft. Die deutsche Presse ist sich einig: Die Auszahlung seiner Pension in Millionenhöhe ist schlecht getimet und taktlos.
"Berliner Morgenpost"
"Wenn der frühere Post-Chef Klaus Zumwinkel sich 20 Mio. Euro Pensionsansprüche auszahlen lässt, mag das rechtens sein. Aber es widerstrebt dem Gerechtigkeitsempfinden vieler Bürger, denen es deutlich zuviel zumwinkelt in Deutschland. Die gesellschaftliche Ächtung, die vor einigen Jahren jedem Sozialhilfetrickser zuteil wurde, darf auch den Größen der Wirtschaft zuteil werden. Zudem sollten gerade die protestierenden Politiker kurz einmal überlegen, wer denn die Verträge mit Zumwinkel im Quasi-Staatsbetrieb Post durchgewunken hat. Die Volksvertreter gewinnen ihre Glaubwürdigkeit erst wieder, wenn die Mehrheit der Bürger den Eindruck hat, dass man sich gesellschaftlichen Aufstieg und Status nicht nur verdienen kann, sondern auch stets aufs Neue verdienen muss."
"Badische Zeitung" (Freiburg)
"Burgherren früherer Jahrhunderte ritten, wenn sie knapp bei Kasse waren, gerne mal zu Tal und raubten ein paar Reisende aus. Auf den Burgbesitzer Zumwinkel trifft das gewiss nicht zu. Erstens war er nicht knapp bei Kasse. Zweitens ist das, was er sich jetzt gegriffen hat, keine Beute, sondern es steht ihm vertraglich zu. Heißt es. Hier wird man daran erinnern müssen, dass der Staat, als ein solcher Vertrag geschlossen wurde, noch Mehrheitseigentümer des Unternehmens war. Wer macht eigentlich solche Verträge? Das muss sich auch Bayerns Seehofer fragen lassen, der gestern so schön schäumte. Vor Gericht hat Zumwinkel neulich sein Vermögen kleingerechnet. Ob das gelogen war, müssen die Richter jetzt entscheiden. Die Öffentlichkeit hat sich ihre Meinung schon gebildet: ein Ruhestand nach Burgherrn Art."
"Mannheimer Morgen"
"Hätte Klaus Zumwinkel ein bisschen Unrechtsbewusstsein, hätte er freiwillig auf seine Millionenpension verzichtet, zumindest aber einen anderen Zeitpunkt für die Auszahlung gewählt. Denn mit der Telekom-Affäre steht gerade schon wieder die Frage im Raum, ob Zumwinkel als damaliger Aufsichtsratschef den legalen Rahmen verlassen hat. So aber bleibt im Moment nur das Bild eines dreisten Abzockers, der sich keiner Schuld bewusst ist."
"Neue Osnabrücker Zeitung"
"Als Politiker im Aufsichtsrat der Post über die Pensionen des Vorstands mitentschieden, herrschte bei ihnen Stillschweigen. Das sicherte dem durch die Steueraffäre aus dem Amt gefegten Zumwinkel sein 20-Millionen-Ruhegeld, was kaum noch zu ändern sein wird. Nicht zu spät ist es aber für Korrekturen bei der Managervergütung. Denn Zumwinkels Pensionsabgeltung von etwa einer 1 Mio. Euro pro Dienstjahr als Chef eines DAX-Konzerns wird von manchem seiner heutigen Kollegen locker getoppt. Etwas Gutes hat der Trend in der Manager-Kaste, sich seine Pensionsbezüge auf einen Schlag auszahlen zu lassen. Dadurch erfährt die Öffentlichkeit, was eine Führungskraft ein Unternehmen tatsächlich kostet. Und in einigen Fällen auch, dass dieser Preis viel zu hoch ist."
  • FTD.de, 16.03.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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