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Merken   Drucken   13.09.2008, 09:36 Schriftgröße: AAA

Pressestimmen: "Schnapsidee lebensferner Preisstrategen"  

Fettnäpfchen pflastern den Weg des Hartmut Mehdorn, kommentieren die deutschen Leitartikler das Scheitern des Servicezuschlags bei der Bahn. Das der Bahn-Chef deshalb geht, glaube sie angesichts des bevorstehenden Börsengangs aber nicht.
"Der Tagesspiegel" (Berlin)
Die Dienstleistungsgesellschaft ist überhaupt keine. Wir lassen uns alle für dumm verkaufen. Dass aber Bahn-Kunden nun dagegen gefeit wären, weil der Servicezuschlag verhindert wurde das ist leider ein Irrtum. Denn die Bahn will den Kunden nicht am Schalter, sie will ihn im Computer oder allenfalls im vermutlich bald voll automatisierten Callcenter, wo er wenig Zeit kostet und kaum Ärger machen kann. Dann sind auch alle Daten da, wo sie zu Geld gemacht werden können. So werden die Fahrkartenpreise wohl stärker als erwartet steigen, aber im Internet wird es Rabatte geben. Das hätte die Bahn gleich machen können. Denn es wirkt nicht gerade schlau oder durchdacht, wenn ein Dienstleistungsunternehmen kurz vor dem Börsengang die Kunden verprellt.
"Kieler Nachrichten"
Nun wäre das alles halb so schlimm, wenn es allein um das Ansehen eines gutbezahlten Konzernchefs ginge. Doch die Bahn möchte in wenigen Wochen an die Börse und die Außenwirkung dieser Posse auf Investoren ist bedenklich. Ganz offensichtlich kam der Rückzug - da mag die Bundesregierung dementieren, so viel sie will - unter massivem politischen Druck zustande. Das Unternehmen Bahn, so das gefährliche Signal, wird auch künftig im Zweifel vom Bund gelenkt werden.
"Frankfurter Allgemeine Zeitung"
Bahnchef Mehdorns "Bedienzuschlag" war alles andere als ein Meisterstück. Das zeigte sich schon daran, dass nach und nach die Einzelheiten der Extragebühr mitgeteilt wurden. So ließ vor allem der Plan, auf Hin- und Rückfahrt gleich fünf Euro zu erheben, an der betriebswirt-schaftlichen Begründung des Zuschlags zweifeln. Auch die Überlegung, ältere Leute mit Bahncard von der Gebühr auszunehmen, machte die Sache nicht überzeugender. Für Mehdorn bedeutet der Rückzug ein zweites (kleines) Tarifsystem-Desaster. Vor einigen Jahren war er mit dem Versuch gescheitert, ein neues Tarif- und Reservierungssystem einzuführen. Damals mussten ein Konzernvorstand und zwei weitere Führungskräfte das Unternehmen verlassen. So weit wird es nun vermutlich nicht kommen, personelle Kontinuität ist wertvoll, schließlich will die Bahn bald an die Börse.

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  • dpa, 13.09.2008
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