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Merken   Drucken   31.07.2008, 17:56 Schriftgröße: AAA

Pressestimmen: "Superstar Clement" mutiert zum Ketzer  

Dass die SPD Wolfgang Clement aus der Partei ausschließen will, schadet den Sozialdemokraten viel mehr als dem gescholtenen einstigen Bundesminister, meinen viele Kommentatoren. Die SPD könne kaum tiefer sinken.
"Stuttgarter Zeitung":
"Die Absicht, Clement  das Mitgliedsbuch zu entziehen, verrät viel über die aktuelle Verfassung dieser Partei. Schließlich steht hier nicht ein x-beliebiger Genosse am Pranger, dessen Aufmüpfigkeit die Grenzen der sozialdemokratischen Toleranz sprengen würde. Es geht um einen Repräsentanten der alten Garde, um die Symbolfigur einer Politik, welche die Partei fast zerrissen hat, ihr aber zu Recht auch Respekt eintrug. Ein Superstar der vorerst letzten sozialdemokratisch geführten Regierung wird nun als Ketzer geschmäht. Dafür gibt es kein vergleichbares Beispiel in der bundesdeutschen Parteiengeschichte. Schlimmer kann es kaum kommen."
"Neue Ruhr/Neue Rhein-Zeitung" (Essen):
"Der kaltschnäuzige Rausschmiss von Wolfgang Clement ist eine Schande für die SPD. Diese Partei darf sich nie wieder über Mitgliederschwund beklagen, wenn sie ihre Besten vor die Türe setzt. Jetzt offenbart der unbegreifliche Parteiausschluss das ganze Ausmaß der Krise der Sozialdemokratie, die tiefer gespalten ist als je zuvor."
"Der Tagesspiegel" (Berlin): "Und so bleibt am Ende die bittere Gratulation. Denn schlösse sie ihn aus, erwiese die SPD dem Genossen aus Bochum einen letzten Dienst. Manchmal müssen eben selbst gestandene Politiker zu ihrem Glück gezwungen werden. Indem er den Kampf um die Mitgliedschaft weiter verbissen kämpft, adelt er bloß jene, die ihn mit Füßen treten. Andere widerborstige Charaktere wie Thilo Sarrazin, Heinz Buschkowsky, Helmut Schmidt oder Klaus von Dohnanyi sind entweder Manns genug, sich selbst zu wehren, oder sie folgen Clement einfach nach. Früher oder später werden sie alle merken: Es gibt ein Leben nach der SPD. Es muss kein schlechtes sein."

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  • dpa, 31.07.2008
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