Die Börse hat eine eindeutige Meinung zu Siemens : Die Aktie gibt deutlich nach. Das Industrieschwergewicht enttäuscht mit seinem Jahresauftakt.
Dabei hatte Finanzvorstand Joe Kaeser die Öffentlichkeit schon auf schwache Ergebnisse eingestimmt: Vergangene Woche verbreitete er ordentlich Pessimismus. Die Ansprüche sollten ja nicht zu hoch sein.
Damit erreichte er zwar, dass Analysten ihre Gewinnschätzungen reihenweise zusammenstrichen: Der Konsens sank mit 5,8 Mrd. Euro für den Nettogewinn aus fortgeführtem Geschäft unter die Prognose, die Siemens selbst für das laufende Jahr gibt: Das Management rechnet mit 6 Mrd. Euro. Doch der Quartalsbericht zeigt: Auch die gesenkten Erwartungen an das Unternehmen könnten sich als zu optimistisch herausstellen.
Denn schon im ersten Quartal blieb das Industriekonglomerat mit 1,36 Mrd. Euro hinter dem Soll zurück, ein Einbruch gegenüber dem Vorjahreswert von 27 Prozent. Dabei sind es noch nicht die Schwächesignale der globalen Konjunktur, die Siemens das Geschäft verderben, wenngleich zunehmende Preiskämpfe die Margen drücken. Im Gegenteil: In den kurzzyklischen Sparten wie der Industrieautomation und der Antriebstechnik läuft es rund.
Stattdessen reiht sich schon wieder eine Sonderbelastung an die andere - eine Marotte, die Siemens-Chef Peter Löscher dem Konzern zu Beginn seiner Amtszeit eigentlich austreiben wollte.
Abermals muss das Unternehmen Hunderte Mio. Euro vorsorglich zurückstellen: für Verzögerungen bei Aufträgen für den Netzanschluss von Windparks in der Nordsee, für Verspätungen bei der Auslieferung von Velaro-Zügen an die Deutsche Bahn, für Probleme in der Medizintechnik.
Ausgerechnet das von Löscher vielfach hochgelobte Windgeschäft rutschte sogar operativ in die Verlustzone. Womöglich auch eine Quittung für die mehrfachen Managementwechsel der vergangenen Jahre in dieser Sparte. In der Stromübertragung sinken die Margen immer weiter. Insbesondere im Geschäft mit Transformatoren fällt der Münchner Konzern zusehends hinter den Schweizer Rivalen ABB zurück.
Angesichts des Auftragsbestands in Rekordhöhe von mehr als 100 Mrd. Euro drängt sich ein Eindruck auf: Bestellungen hereinzuholen ist eine Sache. Aber die Verträge so zu verhandeln und die Projekte so umzusetzen, dass am Ende unter dem Strich auch die geplanten Gewinne herauskommen ist die andere - vermutlich schwierigere - Sache. "Hart arbeiten" müsse Siemens, sagt Löscher. Wie wahr.