FTD-Reporter berichten, was sich im Wahlkampf hinter den Kulissen, abseits inszenierter Auftritte, durchgeplanter Parteitage und hektischer Programmdiskussionen, abspielt.
12.00 Uhr Irgendwie haben wir am Montag in Berlin was verpasst. Die politischen Bilder des Tages kommen von einem eher unpolitischen Ereignis, den Festspielen in Bayreuth. Aber was ist im Wahlkampfsommer 2005 schon unpolitisch? Also sehen wir die Kanzlerkandidatin und Opernliebhaberin Angela Merkel in einer festlichen Zweiteiler-Kombination auf dem Weg ins Opernhaus. "In Rosa auf dem roten Teppich" haben die Kollegen von der "Süddeutschen" über das Foto geschrieben. Rosa? Wohl farbenblind. Die meisten anderen Zeitungen entscheiden sich für lachsfarben. Wir prüfen in unserer Morgenkonferenz noch kurz "pastelliges apricot", entscheiden uns dann aber für "FTD-Farben". Der Stoff hat ziemlich exakt die Farbe unseres Zeitungspapiers.
Neben Merkel ihr Mann Joachim Sauer, den die Öffentlichkeit fast nur von Bayreuth-Fotos kennt. Die von Merkel gewünschten Koalitionspartner Edmund Stoiber und Guido Westerwelle sind auch da, neben dem FDP-Chef lächelt dessen Lebnsgefährte Michael Mronz. Auch der Bundespräsident fehlt nicht. Finanzminister Hans Eichel mit seiner Freundin Gabriela Wolff, die bald seine zweite Frau wird. Ein Abbild der Republik: Erste Ehe, zweite Ehe, Lebenspartnerschaft - alles ist längst Bayreuth-kompatibel.
Weniger Bayreuth-kompatibel sind übrigens helle Stoffe, weil Mann und Frau leicht ins schwitzen kommen. Männer tragen Smoking, da fällt es nicht auf. Wenn bei den Frauen Schweißflecken zu sehen sind, gerät der Bildredakteur ins Grübeln - und verzichtet im Zweifel auf diese Aufnahmen. Aber Mißgeschicke sind menschlich, das gilt auch für Kanzlerkandidatinnen. "Bild" zeigt uns heute sogar die Queen ganz unköniglich - beim Popeln.
13.00 Uhr
Auch bei der Eröffnung der CDU-Wahlkampfzentrale im Berliner Konrad-Adenauer-Haus ist die Farbfrage das Hauptthema. Hier trägt Merkel nun tatsächlich apricot – auf den Wahlplakaten nämlich. Das etwas blässliche Orange ist seit vergangenem Jahr die neue Signalfarbe der CDU (für Drucktechniker: der Ton firmiert unter "Pantone coated 144c").
Damit diesmal gar nicht erst die Frage aufkommt, wie die Farbe denn nun umgangssprachlich heiße, stehen auf den Tischen diskret Schälchen mit Aprikosen. Der Farbvergleich ergibt: Tatsächlich, es ist der gleiche Farbton.
Ein kurzer Abstecher ins nahe gelegene Einkaufszentrum zeigt, dass modebewusste Unionsanhänger mit dieser Farbwahl kein Problem haben sollten, den Rest des Sommers in der Farbe ihrer Partei zu bestreiten. Und das Beste daran ist: Die meisten apricotfarbenen Sommersachen gibt es jetzt im Sonderangebot.