Als ich am Montag aus einem dreiwöchigen Urlaub zurückkehrte, fragte mich ein Vorgesetzter: "Und, wie war das Sabbatical?" Ich grübelte lange, ob dies eine positive oder negative Begrüßung war, denn je nach Lesart hat mich jener Vorgesetzte als Faulpelz (ewig weg) oder als Retter begrüßt (gottlob wieder da!).
Tja, die Rückkehr aus dem Urlaub ist für jeden Werktätigen immer eine heikle Angelegenheit. Nicht, weil die schöne Zeit vorbei ist und er wieder arbeiten muss und ausgebeutet werden kann. Es gibt bloß einfach keine goldene Regel, wie man sich verhalten soll. Soll man erzählen, was man alles erlebt hat? Oder sich hüten, seine gebräunte Visage zwischen den aschfahlen, ausgemergelten Gesichtern auch noch durch Anekdoten hervorzuheben?
Es gibt drei Rückkehrszenarien, ein lautes, ein leises und ein stummes, und ich bin immer noch unsicher, welches vom geringsten Nachteil ist. Das laute: Alle Kollegen bestürmen dich wie Flüchtlinge eine Hilfslieferung der Uno. Typischer Satz: "Höchste Zeit, dass du wieder an Bord bist. Das ging hier gar nicht ohne dich." Das leise: Man fügt sich nach kurzer Begrüßung und Plauderei ("Wie war's?") nahtlos in den Arbeitsalltag ein. Am nächsten Tag ist der Urlaub vergessen. Das stumme: Keiner fragt, ob und wie lange man nicht da war.
Typischer Satz: "Wie, du warst im Urlaub?" Klarer Fall: Man ist für die schon Dead Wood. Jeder, der Szenario eins vorschnell den Vorzug gibt, möge bedenken, wie lange die Erholung bei solchem Psychoterror anhält. Zumal beim nächsten Urlaub unweigerlich die Frage auftaucht: "Wie, Urlaub? Du warst doch gerade erst!" Ich jedenfalls werde nie wieder drei Wochen Urlaub nehmen. Vielleicht mal ein Sabbatical.