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Merken   Drucken   30.07.2009, 18:52 Schriftgröße: AAA

Casual Friday: Coffee to go nach ganz oben  

"Biete im Büro niemals an, Kaffee zu kochen", las ich neulich im Internet. Wer einmal anfange, für die Kollegen Kaffee aufzusetzen, müsse es plötzlich jeden Tag tun. von Nikolaus Röttger
Ja, wenn er Pech hat, sein ganzes Leben lang. Und mal ehrlich: Haben Sie schon mal jemanden gesehen, der Erfolg hat, nur weil er guten Kaffee machen kann?
Ich kenne so jemanden: Meinen Kaffeedealer. Er hat ein kleines Stehcafé, und ich lasse jeden Monat ein kleines Vermögen bei ihm. 3 Euro kostet der doppelte Espresso - und ich gehe trotzdem sehr oft hin, denn er ist ein Kaffeedealer, wie man ihn sich wünscht. Er weiß, dass Milchschaum wie Paris Hilton ist (nicht viel mehr als heiße Luft, vollkommen überbewertet, aber wer unbedingt will, bekommt ihn). Und er bricht die alte Formel "Bürokaffee ist gleich schlechter Kaffee plus Smalltalk" gekonnt: "Kaffeedealerkaffee ist gleich guter Kaffee plus absurde Geschichten". Neulich etwa erzählte er meinem Kollegen Schnabel und mir, wie er abends beinahe aus einer Bar geflogen wäre, weil eine Freundin in der Runde ihren neu gemachten Busen gezeigt habe, was der Wirt der Bar wiederum nicht lustig fand, woraufhin mein Kaffeedealer nach eigenen Angaben gesagt hat, er, der Wirt, solle sich nicht so anstellen, ein so schöner Busen sei das Beste, was seiner kleinen, vergammelten Bar passieren könne.
"Ist doch erfunden", sagte mein Kollege Schnabel später. Kann sein, ist mir aber egal. Schließlich bezahle ich nicht nur für den Espresso, sondern auch für das Kaffeedealerlatein. Und dafür, dass ich nicht selbst Kaffee kochen muss - was ja durchaus eine Investition in meine Karriere ist. Und dafür sind 3 Euro nun wirklich nicht viel.
  • Aus der FTD vom 31.07.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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