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Merken   Drucken   10.01.2008, 22:56 Schriftgröße: AAA

Casual Friday: Der Dalai Lama des Hokuspokus  

Es fällt zurzeit leicht, sich als medialer Untergangsprediger zu positionieren. RTL lässt wieder auf den Hund gekommene Ex-Bekannte wie Eike Immel und Bata Ilic im Dschungel Kakerlaken fressen, und die Rückkehr von Uri Geller treibt die unendlich produktive Unfugsmaschine Fernsehen zu höchster Umdrehung. von Dirk Benninghoff
2002 saß er im britischen TV noch selbst im Dschungelcamp (und wurde als Erster rausgewählt), jetzt wird aus dem Mentalisten, wie Geller und seinesgleichen heuer bezeichnet werden, ein Dalai Lama des Hokuspokus. TV-Plaudertaschen vom Schlage Sonya Kraus' preisen seine ungeheure Aura, ein FTD-Kollege, Familienvater und bislang - so hatte ich den Eindruck - von Ratio gesteuert, legte seine Uhr vor den Bildschirm und schwört, dass sie danach wieder ging! Er sollte sich freuen, dass sein teurer Flachbildschirmfernseher bei so viel Unsinn nicht für immer den Dienst eingestellt hat.
Erschreckenderweise erhofften sich viele Ähnliches für ihren Hausrat, sodass Geller einen sensationellen Marktanteil von 20 Prozent einfuhr. Nicht schlecht für das sogenannte One Trick Pony, das sich mit mehr oder weniger einem einzigen Trick (der mit dem Löffel) eine vorzeigbare Villa erbogen hat. Auf der anderen Seite behauptet Geller, dass er früher im Dienste der CIA Akten von KGB-Agenten durch "reine Konzentrationskraft" gelöscht hat. So will er Michael Gorbatschow auch zur Abrüstung bei den Mittelstreckenwaffen bewogen haben. Das mutet an wie die Geschichte von David Hasselhoff, der einst seinen Smash-Hit "Lookin' for Freedom" für den Fall der Berliner Mauer verantwortlich machte. Der Mentalist sollte sich vorsehen. Bei Hasselhoff mündete die Hybris in Alkoholsucht.
  • Aus der FTD vom 11.01.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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