Es ist feucht und heiß im Subway-Tunnel an der 14. Straße, und über die Gerüche denkt man lieber nicht nach. Ich stratze von der einen zur anderen U-Bahn, da bemerke ich einen Mann im schmierigen Parka, der neben einem wackligen Klapptisch sitzt. Darauf: ein Stapel zerfledderter Papiere. Plötzlich kann ich nicht weitergehen. Muss! Einfach! Zurück! Donald Green heißt der Mann. Donald verfasst und verkauft Gedichte. In drei Preislagen. Er spricht ungern über sein Leben. Lieber redet er über die Journale, in denen er bereits veröffentlicht hat, und lacht dabei durch diverse Zahnlücken. Man könne auch Lesungen von ihm auf Youtube finden. Sein Enthusiasmus ist so unerklärlich wie ansteckend. Ich drücke ihm später 5 $ in die rissige Hand, nehme das "Poesie-Basis-Paket" und wünsche ihm einen nice day. Take care. Auf meinem Plastiksitz in der Bahn bleibe ich an diesen krakeligen Zeilen hängen:
"Moment
To Sit on the
bench and Measure
You & To Move
in music
And candlelight"
Wieder oben höre ich einen hip gedressten Ex-Investmentbanker in seinen Blackberry schimpfen. "In diesem verfickten Restaurant durfte man nicht mal im Garten rauchen. Also stelle ich mich mit Drink und 'ner Fluppe auf den Bürgersteig direkt daneben - und werde angezeigt! Wegen Genusses von Alkohol in der Öffentlichkeit."
Zwei Blocks weiter überlege ich, ob Texte in Tunneln feilzubieten vielleicht gar keine so schlechte Idee ist.