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Merken   Drucken   14.09.2006, 19:51 Schriftgröße: AAA

Casual Friday: Ines Zöttl: Letzter Ausstieg - Motzdamer Platz  

Wir Deutschen melden uns beim Gute-Laune-Klub wieder ab. Der jüngste Datenreport zur Gefühlslage der Nation malt ein Bild der Trostlosigkeit. Früher war alles besser, und in Zukunft wird es noch schlechter.
Die gefühlte Arbeitslosigkeit liegt bei 95 Prozent, der Staat ist pleite, die Regierung versagt. No future nirgends. Ganz Deutschland also vom Niedergang bedroht? Nein. Eine große Stadt hoch im Osten hört nicht auf, dem Pessimismus Widerstand zu leisten. Berlin ist arm, aber sexy.
Diese Stadt zeigt uns, dass man auch mit 300.000 Arbeitslosen, 60 Mrd. Euro Schulden, 40 Prozent Transferempfängern und der Gefahr, alle zwei Schritte in einen Haufen Hundescheiße zu treten, supergut drauf sein kann. Hauptsache, man hat einen Wowi-Bär im Regal und ein Klappmesser in der Tasche, wenn man sich in den permanenten Neuköllner Karneval der Kulturen begibt.
Deswegen ist es echt cool, dass Partymeister Klaus Wowereit, nachdem er am Sonntag die Berlin-Wahl gewonnen hat, mehr in der Bundespolitik raven will. Konsequent Deutschland heißt dann nicht mehr, reich und frigide, sondern: Deutschland ist ein Sanierungsfall - und das ist gut so. Ranzen Sie ruhig jeden Ausländer an, der Ihnen über die Beine stolpert. Der wird zu seiner Freundin sagen: Haste gehört, deutsche Schnauze, charmant!
Ohnehin hat ein Forscherteam kürzlich herausgefunden, dass schlechte Laune zumindest bei über 60-Jährigen ein Zeichen von Intelligenz ist. Schlechte Laune fördere das Argumentationsvermögen, erhöhe die Aufmerksamkeit und verbessere die Denkkapazität. Das ist doch super. Vergreisen tun wir sowieso, und das mit dem dauernden Motzen kriegen wir auch noch hin.
  • Aus der FTD vom 15.09.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland,
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