Das Prekariat ist besser ausgestattet als wir." Mein Fernseher stammt von 1998, Ton und Bild sind völlig okay, eine Abwrackprämie bekomme ich leider auch nicht.
Mein Wunsch ist pure Konsumlust, die mir die werbetreibende Industrie eingeredet hat. "Das passt nicht in die Zeit", sagte meine Frau, "wir sind in der Rezession."
Nun hat sich ein moralisches Dilemma in meinen an Dilemmata nicht gerade armen Alltag geschlichen. Seit Wochen nerve ich schon Kollegen, ob ich ein iPhone erwerben soll. Jetzt noch einen Fernseher. "Kauf alles", riet mir eine Kollegin. "Du wirst doch demnächst befördert." Aber wäre es das richtige Signal? "Dem ist das wohl zu Kopf gestiegen", werden neue Untergebene raunen.
Ich habe das Gefühl, ein Konsumstreber zu sein: Mein Konto ist im Plus. Ich bestelle nicht jeden Samstag in schicken Clubs als Phallus-Ersatz Wodkaflaschen für 300 Euro. Ich habe sogar einen Riester-Vertrag abgeschlossen. (Ich kann sagen: "Ich riester jetzt." Furchtbar, dieses Konjugieren der Altersvorsorge. Ich riester. Du wohnriesterst. Bald werden Kinder in der Schule das Futur II bilden: "Wir werden gewohnriestert haben.")
Soll ich nicht auch mal richtig Geld rausschmeißen? Unseren Leitartikeln entnehme ich, dass ich damit Deutschland retten würde. Aber war der übermäßige Konsum nicht der Grund, warum die ganze Grütze angefangen hat? König Salomon würde mir bestimmt raten: Fernseher oder iPhone - nicht beides. Was meinen Sie? Schreiben Sie mir, und ich werde konsumieren (Futur I).