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Merken   Drucken   14.08.2008, 21:24 Schriftgröße: AAA

Casual Friday: Nach oben buckeln, nach unten treten  

Als ich gestern ins Büro ging und gedanklich den Tag vorbereitete, rief plötzlich jemand "Hallo": Mein Chefredakteur flitzte auf seinem Rad an mir vorbei. Kurz darauf schrillte eine Fahrradklingel: Mein Ressortleiter winkte von seinem Fahrrad - und gleich dahinter fuhr mein Kollege Schnabel. von Nikolaus Röttger
"Holt dich der Chef jetzt jeden Morgen zu Hause ab?", fragte ich Schnabel später.
"Nein", sagte Schnabel. "Er hat mich eingeholt, er war schneller als ich."
"Darum ist ja auch er der Chef und nicht du", sagte ich. "Habt ihr geredet?"
"Er hat gleich mit mir über meine Arbeit gesprochen", sagte Schnabel.
"Geschäftsradeln also", sagte ich, "hat er sich im Silicon Valley abgeschaut."
Radfahren ist dort sehr angesagt, wie die kalifornische Zeitung "Mercury News" vor nicht allzu langer Zeit berichtete. "Wheeling and Dealing: Fahrradfahren ist das neue Golf", so die Zeitung. Networking finde vermehrt bei gemeinsamen Radtouren statt.
"Was dieser Trend bedeutet, ist ja wohl klar", sagte ich zu Schnabel.
"1. Wer mit dem Rad ins Büro fährt, muss gut vorbereitet sein (es droht jeden Morgen ein Jahresgespräch).
2. Unbedingt fit sein (Seitenstechen und lautes Gepruste sind beim Jahresgespräch unangebracht).
3. Das alte Rad nehmen (man fährt ja auch nicht mit dem Porsche vor, wenn der Chef nur einen Passat hat).
4. Die Radstrecke des Chefs kennen (um ihm entweder aus dem Weg zu gehen oder ihm mit gezieltem Auflauern ein Gespräch aufzuzwingen).
Auf jeden Fall gilt: ohne Radfahren keine Karriere", sagte ich zu Schnabel. "Weißt du, wo ich ein altes Rad kaufen kann?"
  • Aus der FTD vom 15.08.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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