"Klar", sagt einer. "Du isst eh öfter mit uns als mit deiner Frau." "Stimmt", sagte ich ziemlich erschrocken - und alsbald schoben wir die ungelesenen Geschäftsberichte, getürkten Bilanzen und Gesprächsprotokolle aus dem Finanzministerium von unseren Schreibtischen und begannen zu rechnen: Eine Woche hat fünf Arbeitstage, wenn wir 35 Jahre arbeiten, essen wir 25 Jahre mit Kollegen und zehn mit unseren Partnern.
In Mittagessen ausgedrückt: In 35 Jahren verdrücken wir 12.775 Mittagessen, davon 3650 mit unseren Frauen/Männern und 9125 mit Kollegen. Wenn wir den Urlaub (30 Tage x 35 = 1050) dem Partner zuschlagen, blieben 8075 Mittagessen mit Kollegen und 4700 mit der Familie. Lunch außer Haus, Reisen, Fastenzeiten, Streit und kurze Trennungen von Partnern vernachlässigen wir mal, da sie beide Seiten treffen. Auch Krankheitstage (circa 5 x 35 = 175), da viele mit einer Magenverstimmung verbunden sein können, an denen das Mittagessen ohnehin ausfällt. Selbst wenn man seinen Partner bereits mit 25, also fünf Jahre vor Eintritt ins Berufsleben, kennengelernt hat, hat er keine Chance aufzuholen, da wir in 30 Jahren bestimmt bis 70 arbeiten müssen.
Nachdem wir fertig gerechnet hatten, ging ich mit flauem Gefühl im Magen zum Date mit meiner Frau. Es schmeckte trotzdem, und es war wahrscheinlich das erste Mal, dass ich während eines Essens mit ihr nicht eine Sekunde an den Job gedacht habe.