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Merken   Drucken   21.12.2006, 19:04 Schriftgröße: AAA

Casual Friday: Weihnachten ohne Sissi  

Die Rückblicksflut durchspült mit prachtvollen Bildern von Freud und Leid mal wieder die Netzhaut. Medien müssen auch beim Rückblick vordenken, sie feiern daher längst Silvester. An dieser Stelle soll aber dem Fest der Feste gehuldigt werden, schließlich liefert Weihnachten wichtige Erkenntnisse - auch in der 2006 prägenden Frage, was denn wohl typisch deutsch sei. von Dirk Benninghoff
Glaubt man den Umfragen, so können es in Sachen Frohsinn, Eintracht und Barmherzigkeit allerhöchstens die drolligen Auenländer mit uns aufnehmen. Drei Viertel der Deutschen wollen zu Weihnachten Geld spenden oder älteren und einsamen Menschen das Fest verschönern. Davon profitiert selbst der mutmaßliche Siemens-Schurke Thomas Ganswindt, der zuletzt sehr einsam war, doch zu Weihnachten nach Hause darf.
Fast die Hälfte der Deutschen plant einen Kirchenbesuch. Geschenke werden zunehmend unwichtig, die längst abgeschriebene Institution Familie dagegen reüssiert. Für 74 Prozent ist sie Heiligabend das Allerheiligste. Das Unfassbarste der unfassbar harmonischen Ergebnisse deutscher Meinungsforscher: 60 Prozent planen Weihnachten ohne Fernsehen.
Das ist also Weihnachten 2006: Die Bude ist voll, denn die lieben Verwandten sind alle da, dazu noch zwei, drei Obdachlose, Senioren aus dem Heim um die Ecke und ein amnestierter Wirtschaftskrimineller. Geschenke fallen aus, dafür fließt reichlich Geld gegen Aids in Afrika. Statt "Weihnachten bei Familie Hoppenstedt", "Doktor Schiwago" oder "Sissi" gibt es Predigten. Frohes Fest!
  • Aus der FTD vom 22.12.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland,
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