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Merken   Drucken   18.12.2006, 20:06 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Allzu später Jubel  

Der Konjunkturoptimismus hat die letzten Winkel Deutschlands erreicht. Berechtigt ist das nicht.
Auch beim Jubeln macht das Kieler Institut für Weltwirtschaft einen besonders seriösen Eindruck. Dort an der Förde wurde schon immer am entschiedensten grundsätzlich über Wirtschaft und Wettbewerbsfähigkeit nachgedacht. Der Kieler Geist durchwehte mit Ordnungspolitik und dem Axiom, dass die Löhne zu hoch sind, den Sachverständigenrat, die frühere Grundsatzabteilung im Wirtschaftsministerium und die Bundesbank.
Dies zur Einordnung des Kieler Jubels. Der Jubel selber bestand in der Prophetie des Instituts, Deutschland stünden fette Jahre bevor. Auch im nächsten Jahr sei ein Wachstum von über zwei Prozent zu erwarten. Vor allem aber, das Land habe gute Chancen, einen lang anhaltenden und sich selbsttragenden Aufschwung zu erleben. Das schon wäre ein Wunder. Noch wundersamer ist, dass in Kiel an ein solches Wunder geglaubt wird, ja dass man den Begriff "selbsttragender Aufschwung" nicht für eine Chimäre, sondern für einen Realbegriff hält, der in der Wirklichkeit Gestalt annehmen kann.
Meinungsverschiebung in diesem Jahr
Am allerwunderbarsten aber ist die schnelle Bekehrung der Nordlichter. Noch vor drei Monaten hielten sie 2007 ein Wachstum von gerade mal einem Prozent für wahrscheinlich. Jetzt trauen sie Deutschland doppelt so viel zu. Zur neuen Erkenntnis mag beigetragen haben, dass seit Monaten die optimistischen Kollegen die Meinungsführerschaft übernommen haben. Den FTD-Wettbewerb der besten Konjunkturprognose in diesem Jahr gewann der größte Optimist, Michael Heise von Allianz/Dresdner. Er hatte Ende 2005 - ebenso wie Carsten Klude (M.M. Warburg) und Norbert Walter (Deutsche Bank Research) - für dieses Jahr auf ein Wachstum von zwei Prozent getippt. Die Realität sieht wahrscheinlich noch etwas besser aus.
Da baut sich aus der Realität ein erheblicher Meinungsdruck auf. Und sogar die Konjunkturforscher in Kiel nehmen dann einmal den Ifo-Geschäftsklimaindex zur Kenntnis. Die Unternehmer rechnen mit weiterem Aufschwung, heißt es staunend. Da müsse der einfach kommen.

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