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Merken   Drucken   03.08.2008, 17:00 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Andreas Theyssen: Alles in der SPD muss raus  

Die Sozialdemokraten wollen Wolfgang Clement loswerden. Das kann ja wohl nur der Anfang sein, denn die Feinde der SPD sind in der SPD. Das Renegatentum in der Partei gehört bekämpft. von Andreas Theyssen
Es ist etwas faul in der deutschen Sozialdemokratie. Die Umfragewerte - ein Desaster. Der Mitgliederbestand - völlig schwindsüchtig. Die Wahlerfolge - nur noch Geschichte. Die Performance als Juniorpartner in der Großen Koalition - war da was?
So kann es nicht weitergehen, es muss etwas passieren. Die Partei fault von innen heraus, und diese modernden Stellen müssen entfernt werden. Abweichler gilt es zu bekämpfen, jene Leute, die öffentlich gegen die Parteilinie stänkern (wo immer auch diese gerade verlaufen mag). Pluralismus in einer Volkspartei - wo kämen wir denn da hin? Die CDU glaubt, sich Quartalsquerulanten wie Friedrich Merz und Heiner Geißler leisten zu können. Die SPD ist anders, war anders und wird immer anders sein. Und deshalb braucht die deutsche Sozialdemokratie nicht weniger als eine Kulturrevolution. Damit ist schließlich schon Mao Tse-tung gut gefahren.
Das Renegatentum muss bekämpft werden, und deshalb kann der Fall Wolfgang Clement nur der Anfang sein. Denn die Feinde der Partei sind in der Partei. Überall! Die müssen weg, ausgeschlossen werden. Alles muss raus!
Da ist Kurt Beck, der sich Vorsitzender nennt. Er hat es a) gewagt, sich schützend vor Clement zu stellen, und das b) auch noch viel zu spät. Außerdem ist er c) ohnehin an allem schuld, was gerade in der deutschen Sozialdemokratie schiefläuft. Schließlich wohnt er d) in der Provinz. Zudem hat er e) gerade angekündigt, seine Autobiografie schreiben zu lassen. Da werden garantiert so Sätze drinstehen wie: "Meine Frau sagt immer, ich habe Haare wie ein Meerschweinchen." Allein so ein Satz rechtfertigt schon den Parteiausschluss!
Heil - ein Rechtsabweichler
Da ist Hubertus Heil, Generalsekretär. Heil. Allein schon dieser Name klingt nach Rechtsabweichler. Weg mit ihm!
Vergessen wir nicht Franz Maget. Spitzenkandidat der Bayern-SPD ist er, ein Mann, gegen den nur Erwin Huber und Günther Beckstein stehen, die beiden glücklosen Thronerben des großen Edmund. Und was macht der Maget-Franz? Schafft es nicht mal gegen diese beiden, die Bayern-SPD nach vorn zu bringen. Das ist parteischädigend, Herrgottzack!
Kommen wir zu Frank-Walter Steinmeier, der sich schon als Kanzlerkandidat fühlt. Wenn Clement aus der Partei muss, dann wohl doch erst recht der Steinmeier. Hat nicht nur die Agenda 2010 miterfunden, dieses Schrumpfelixier für die deutsche Sozialdemokratie. Nein, er stellt sich auch heute noch hin und verteidigt dieses antisoziale, neoliberale, linksparteipushende Machwerk. Vor Clement hat er sich auch noch gestellt. Also, raus aus der Partei mit dem Mann. Sonst wird der noch zu einem Schröder zwo - und dann ist sie ganz futsch, die deutsche Sozialdemokratie.
Und damit sind wir bei seinem früheren Herrchen. Der macht zwar nichts mehr in der Partei, hat aber den Grundstein gelegt für das ganze Elend der SPD: Oskar Lafontaine nach links weggemobbt, Agenda 2010 durchgebastat, Neuwahl-Harakiri begangen, sich zu Wladimir Putin in die Kiste gelegt. Was will Gerhard Schröder noch in der SPD? Ade! Soll er halt Gaspipelinerohre verlegen in der Ostsee.
Jetzt ist Heidi Wieczorek-Zeul dran. "Rote Heidi" lässt sie sich nennen und gibt vor, eine Linke zu sein. Papperlapapp. Allenfalls eine "rote Angie" ist sie, hat sie sich doch genauso wie die CDU-Vorsteherin mit dem Dalai Lama getroffen. Dabei hatte der Frank-Walter doch vorgegeben, dass man mit den Schmuddelkindern vom Himalaja nicht spielt. Und der Frank-Walter ist ... äh ... war immerhin Parteivize.
  • Aus der FTD vom 04.08.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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