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Merken   Drucken   09.09.2007, 16:47 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Andreas Theyssen: Bye-bye, BDI  

Mit der Personalie Schnappauf stürzt sich der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) in die absolute Bedeutungslosigkeit. Der Bayer ist definitiv nicht der Mann, den der Lobby-Verband braucht. von Andreas Theyssen
Unternehmer gelten als ungeduldige Zeitgenossen. Permanent fordern sie von ihren Entwicklungsabteilungen neue Produkte, vom Vertrieb die Erschließung neuer Märkte und von der gesamten Firma neue Umsatz- und Erlösrekorde. Der nächste Quartalsbericht soll schließlich fein aussehen.
Das sind alles nur Vorurteile, zumindest in Deutschland. Denn das, was sich deutsche Unternehmer in ihrem Lobbyverband BDI derzeit bieten lassen, zeugt nicht von Ungeduld, sondern vielmehr von unendlicher Langmut. Gefühlt reicht ihr Geduldsfaden vom VW-Werk Wolfsburg bis zur Konzerndependance im chinesischen Anting.
Monatelang war in ihrem Hausverband der Posten des Hauptgeschäftsführers vakant. Und zwar so lange, dass man sich ernsthaft fragen kann, ob es dieser Planstelle überhaupt bedarf. Zuerst wurde der Lieblingskandidat von BDI-Präsident Jürgen Thumann, der Unionspolitiker Norbert Röttgen, abgeschossen, pikanterweise mit kräftiger Schützenhilfe von Thumanns beiden Amtsvorgängern. Dann fand sich lange kein Ersatzmann. Schließlich präsentierte der Verbandspräsident als Resultat langer Suche - Bayerns Umweltminister Werner Schnappauf. Und die deutschen Unternehmer machen gute Miene zu eigenwilligem Spiel. Bislang stand keiner von ihnen öffentlich auf und sagte: So nicht, Herr Thumann.
Nichts gegen den Menschen Schnappauf. Nichts gegen CSU-Politiker. Und nichts gegen Bayern in Berlin (sofern sie denn wirklich umsiedeln). Aber Werner Schnappauf ist definitiv nicht der Mann, den der BDI braucht. Die Jobbeschreibung eines BDI-Hauptgeschäftsführers und die Person Schnappauf passen einfach nicht zusammen.
Low-Profiler aus der Provinz
Was muss der Hauptgeschäftsführer des Industrieverbands leisten? Vornehmlich zwei Dinge: Er muss etwas von Wirtschaft verstehen, konkret von den Nöten, zu denen politische Rahmenbedingungen den Unternehmen verhelfen können. Und er muss im politischen Berlin so gut verdrahtet sein, dass er genügend Einfluss und Kontakte hat, um unternehmensfeindliche Gesetze und Verordnungen abbiegen zu können.
Und wie passt Werner Schnappauf zu diesem Bild? Irgendwie so gar nicht.
Der Jurist hat sein komplettes Berufsleben im bayerischen Landesdienst verbracht, etwa als stellvertretender Ministeriumssprecher und Landratsamtsabteilungsleiter. Ein Unternehmen hat er beruflich indes noch nie von innen gesehen, weiß also mutmaßlich nicht, wie eine Firma tickt, wie sie funktioniert, wo es drückt. Dass die BDI-Mitglieder ihn als würdigen Vertreter ihrer Interessen ansehen werden, ist somit nicht zu erwarten.
Auch mit der Verdrahtung in der Bundespolitik hapert es. Außer in München hat Schnappauf lediglich in Miesbach und Kronach gearbeitet. Diese Standorte sind naturgemäß eher hinderlich, um ein gutes Verhältnis zur Kanzlerin, zu deren Ministern, den Regierungsfraktionen und vor allem zu den Ministeriumsapparaten in Berlin aufzubauen.

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