In eine tiefe, täglich nach unten zu revidierende Depression würden wir verfallen - gäbe es nicht freundliche Mitmenschen, die durch allerlei Kapriolen dafür sorgen, dass uns in der Krise das Lachen nicht vergeht.
Gemeinhin neigen Politiker, Journalisten und sonstige Bedenkenträger dazu, das Wirken solcher Menschen zu verdammen. Nehmen wir die Entrüstung über die baden-württembergische Polizei, die es fertigbrachte, Q-tips zu Schwerverbrechern zu stempeln. Geschlampt habe sie, sagen alle, dumm sei sie, unfähig. Wir finden das nicht. Wir goutieren durchaus den Entertainmentfaktor der Verbrechensbekämpfer aus dem Ländle. Denn sie sorgen dafür, dass unser Gute-Laune-Index nicht so abstürzt wie die deutschen Exporte.
Die Schwabenpolizei steht nicht allein, sie hat Brüder und Schwestern im Geiste. Und deshalb müssen sie an dieser Stelle ausdrücklich gelobt werden, als unschätzbare Verbreiter von Heiterkeit in harten Zeiten, als eine Art Quatsch-Comedy-Club der deutschen Depression. Und deshalb kommt hier unsere persönliche Bestenliste der Woche.
Hartmut Mehdorn: Der Bahn-Chef hat es wirklich nicht leicht. So gern möchte er sein Fuhrunternehmen an die Börse bringen und damit sein persönliches Lebenswerk krönen. Aber es wird einfach nichts daraus. Die Finanzkrise steht ihm im Weg, die SPD, der Bundesverkehrsminister, und vor allem steht ihm Hartmut Mehdorn im Weg. Ständig ploppen neue Affären bei der Bahn hoch, und jedes Mal baut sich der Oberfuhrwerker wie Rumpelstilzchen vor irgendwelchen Mikrofonen auf, stampft mit dem Füßchen und sagt: Nein, für einen Rücktritt stehe ich nicht zur Verfügung.
Das ist lustig, das ist putzig. Und gerade in Zeiten des ständigen Wandels lernen wir Konstanten besonders schätzen. Leider müssen wir befürchten, dass Hartmut Mehdorn sehr bald nur noch im heimischen Wohnzimmer mit dem Füßchen aufstampfen wird.
Guido Westerwelle: Der FDP-Chef lässt die Vorgänge beim abstürzenden Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) von einem Bundestagsuntersuchungsausschuss durchleuchten. Das ist im Prinzip löblich, denn es gibt durchaus offene Fragen zum Krisenmanagement des Finanzministers, und wenn unsere Steuermilliarden gleich dreistellig rausgeblasen werden, dann ist es generell angebracht, sich das sehr genau anzusehen. Einerseits.