Es muss schlecht bestellt sein um Deutschland. Ganz schlecht sogar. Wenn DGB-Chef Michael Sommer, SPD-Präsidentschaftskandidatin Gesine Schwan, Deutsche-Bank-Chefökonom Norbert Walter und Sachsens NPD-Fraktionsvize Johannes Müller an einem Strang ziehen und vor ein und derselben Sache warnen, dann muss wirklich Feuer unter dem Dach sein. Soziale Unruhen stehen der Bundesrepublik ins Haus, meinen sie unisono, und zwar dann, wenn durch die Weltwirtschaftskrise in zwei, drei Monaten die Arbeitslosenzahlen nach oben schnellen.
Was müssen wir uns darunter vorstellen? Arbeitslose, die Bundestag und Kanzleramt stürmen? Von Entlassung bedrohte Angestellte, die Konzernzentralen verwüsten? Fackeln Aufgewühlte demnächst das Privatdomizil von Josef Ackermann ab, der Ikone des Renditekapitalismus? Schade eigentlich, denn im privaten Umgang ist der Deutsche-Bank-Chef ein zurückhaltender, fast schüchterner Mensch.
Ogottogott, isländische, lettische, gar französische Verhältnisse in der deutschen Heimat! Das darf doch wohl nicht wahr sein. Denn vor allem in Frankreich hat es der krisengebeutelte Werktätige auf Leute wie unsereins abgesehen. Da werden Manager als Geiseln genommen, ganze Tage und Nächte lang, um Arbeitsplatzgarantien oder ähnlich Aussichtsloses zu erzwingen. Und das soll bald auch in Deutschland passieren? Etwa bei uns in der Redaktion?
Management-Mitläufer haften mit
Hoffentlich lesen die lieben Kollegen ihre eigene Zeitung nicht und übersehen, was in Sarkozys Reich abgeht. Wir jedenfalls werden sie bei Gelegenheit wissen lassen, dass es ja noch viel Schlimmere gibt als uns in Berlin - die Chefredaktion zum Beispiel oder auch die Geschäftsführung, den Vorstand nicht zu vergessen. Wir selbst hingegen, das werden wir ihnen sagen, wir sind ganz harmlos, nur ein Management-Mitläufer sozusagen.
Aber wahrscheinlich kommen die lieben Kollegen wieder nur auf den Nächstsitzenden. Und das sind im Zweifel wir. Wir sind besorgt. Da wir die Herren Sommer, Walter, Müller und Frau Schwan, also diese Volksfront der Unruhewarner, grundsätzlich für voll nehmen, packen wir besser schon mal ein Notfallköfferchen für den Fall der Manager-Geiselnahme. Eine Wechselgarnitur kommt hinein, eine Stange Zigaretten und auf jeden Fall ein Bündel Kuchengutscheine von Butter Lindner, um uns im Ernstfall freikaufen zu können. Vielleicht hilft's ja.
Vielleicht aber schenken wir eher einem bekannten Kommunisten Glauben, um unsere angespannten Nerven zu beruhigen. "Wenn diese Deutschen einen Bahnhof stürmen wollen, kaufen die sich noch eine Bahnsteigkarte", soll Wladimir Iljitsch Lenin einmal gesagt haben. Gemeint war: Diese Deutschen sind viel zu lahmarschig, um wirklich eine Revolution vom Zaun zu brechen.