Krisenzeiten zeitigen mitunter lustige menschliche Reaktionen. Wenn alles zusammenfällt oder zumindest das Aktiendepot auf die Größe des Ausgabeaufschlags zusammenschnurrt, dann rufen die Menschen nach dem einen, der alles richtet, der quasi im Alleingang die Welt rettet, kurz: nach dem Messias. Dieses ulkige Phänomen hat dafür gesorgt, dass der schwarze Außenseiter aus Chicago wirklich ins Weiße Haus von Washington einziehen durfte. Und nun könnte die Sehnsucht nach einem Heilsbringer auch dafür sorgen, dass der Lockige aus Turin demnächst in Rüsselsheim landet.
Sergio Marchionne , Chef des italienischen Autobauers
Fiat , möchte partout dem angeschlagenen deutschen Konkurrenten Opel helfen. Das ist sehr nett. Denn in diesen harten Zeiten ist Marchionne so etwas wie die Mutter Teresa der Autobranche. Beim insolventen US-Konzern Chrysler ist er schon eingestiegen. Und da Opel durch das angeschlagene Mutterhaus
General Motors in Schieflage geraten ist, können die Rüsselsheimer einen Griff unter die Arme ausgesprochen gut gebrauchen.
Marchionne hat sich viel vorgenommen. Er will einen weltumspannenden Konzern gründen, dem in Europa Fiat, Opel sowie Saab angehören und Chrysler in den USA. Größe ist wichtig, glaubt er, ansonsten könne man nicht mithalten im Wettbewerb der Großen wie
VW oder
Toyota . Das klingt gut. Nur: Wenn Größe allein das entscheidende Kriterium wäre, dann würden heute die Dinosaurier die Erde beherrschen.